Freiwillige Krankenversicherung in der GKV

Freiwillig versichert - Voraussetzungen und Beitrag

Wer nicht von der Versicherungspflicht erfasst wird, hat die Möglichkeit der freiwilligen Krankenversicherung bei einer gesetzlichen Krankenkasse. Für die freiwillige Mitgliedschaft gelten bestimmte Fristen und Voraussetzungen sowie Besonderheiten bei der Beitragsberechnung.

Pflicht- oder freiwillig versichert in der gesetzlichen Krankenkasse? Der überwiegende Teil der Arbeitnehmer und Rentner ist verpflichtet, sich in der gesetzlichen Krankenversicherung zu versichern. Für einen bestimmten Personenkreis besteht jedoch die Möglichkeit, zwischen gesetzlichen und privaten Kassen zu wählen.

Grundsätzlich können Beihilfeberechtigte, Selbstständige und Arbeitnehmer, deren Gehalt die aktuelle Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreitet, die freiwillige Mitgliedschaft in der GKV beantragen.

Krankenkassen Tarife Vergleichen

Voraussetzungen für die freiwillige Krankenversicherung

Für die freiwillige Versicherung bei einer gesetzlichen Krankenkasse gibt es bestimmte rechtliche Voraussetzungen und Fristen, die man einhalten muss.

Vorversicherungszeit

Der Beitritt zur freiwilligen Versicherung ist für Personen, die aus der Versicherungspflicht ausscheiden oder deren Familienversicherung ausläuft, nur dann möglich, wenn eine bestimmte Vorversicherungszeit erfüllt wurde. Dazu muss

  • in den letzten 12 Monaten vor der freiwilligen Mitgliedschaft ununterbrochen oder
  • in den letzten 5 Jahren für 24 Monate eine Versicherung in der gesetzlichen Krankenkasse bestanden haben.

Die GKV-Mitgliedschaft kann als Pflicht- oder Familienversicherung bestanden haben.

Anzeigefrist

Der Beitritt zur freiwilligen versicherung muss innerhalb von 3 Monaten nach Beendigung der Pflichtmitgliedschaft oder dem Erlöschen der Familienversicherung schriftlich beantragt werden. Waren Sie bisher pflichtversichert, beginnt die freiwillige Mitgliedschaft in direktem Anschluss an die vorherige Versicherung.

Die freiwillige Krankenversicherung endet bei schriftlicher Kündigung (Kassenwechsel oder PKV-Wechsel), im Falle einer Pflichtversicherung oder bei Tod. Die Kündigung wird jedoch erst wirksam, wenn der Nachweis einer sich direkt anschließenden Folgeversicherung vorgelegt wird.

Beitrag für freiwillig Versicherte - Höhe und Berechnung

Die Beitragshöhe für freiwillig Krankenversicherte orientiert sich an den beitragspflichtigen Einnahmen. Der Höchstbeitrag fällt bei einem Einkommen in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze an. Gehaltsbestandteile oberhalb dieser Grenze werden bei der Beitragsberechnung nicht berücksichtigt. 

Selbstständige zahlen grundsätzlich den allgemeinen Beitragssatz auf ein Einkommen in der Höhe der Bemessungsgrenze. Ausnahme: Bei Nachweis eines geringeren Einkommens kann die Beitragsbemessungsgrundlage angepasst werden. Dafür wird die sogenannte Bezugsgröße herangezogen.

Die Beiträge 2016 für die freiwillige Krankenversicherung im Überblick:

Versicherte mit Krankengeldanspruch 

  • Maximalbeitrag: 618,86 Euro(zzgl. Zusatzbeitrag)
  • Mindestbeitrag: 137,57 Euro (zzgl. Zusatzbeitrag)

Versicherte ohne Krankengeldanspruch

  • Höchstbeitrag: 593,25 Euro (zzgl. Zusatzbeitrag)
  • Mindestbeitrag: 137,33 Euro (zzgl. Zusatzbeitrag)

Beiträge für Selbständige mit Einnahmen in Höhe der BBG

  • 603,45 Euroohne Krankengeldanspruch (zzgl. Zusatzbeitrag)
  • 627,75 Euro mit Krankengeldanspruch (zzgl. Zusatzbeitrag)

Mindestbeiträge für Selbständige mit entsprechendem Einkommensnachweis (Mindestbemessung: 2.178,75 Euro): 

  • 305,03 Euro ohne Krankengeldanspruch (zzgl. Zusatzbeitrag)
  • 318,10 Euro mit Krankengeldanspruch (zzgl. Zusatzbeitrag)

Beitrag für Nichterwerbstätige

  • 135,57 Euro (zzgl. Zusatzbeitrag)

Beiträge für Studenten

  • 61,01 Euro (zzgl. Zusatzbeitrag)

Der Zusatzbeitrag wird von jeder Krankenkasse individuell erhoben. Im Jahr 2016 liegt der durschnittle Zusatzbeitrag bei 1,1%.Hinzu kommen außerdem noch die Beiträge aus der Pflegeversicherung. 

Freiwillige Krankenversicherung der Rentner

Für die Beurteilung, ob man als Rentner Pflicht- oder freiwillig krankenversichert ist, ist der Status der Krankenversicherung während des Erwerbslebens von Bedeutung. Dazu wird der Zeitraum von der erstmaligen Beschäftigungsaufnahme bis zum Tag der Rentenantragstellung betrachtet und in zwei Hälften geteilt. Wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens weniger als 9/10 dieser Zeit in der GKV pflichtversichert war, muss sich als Rentner freiwillig weiterversichern.

Zu den beitragspflichtigen Einnahmen zählen:

  • Gesetzliche Rente
  • Versorgungsbezüge, z.B. Betriebsrente, Zusatzversorgung öffentl. Dienst
  • Arbeitseinkommen
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
  • Sonstige Einnahmen

Freiwillig versicherte Rentner haben keine Freigrenze, d.h. die Einnahmen sind bereits ab dem ersten Cent beitragspflichtig.

BSG-Urteil für freiwillig versicherte Rentner

Auch freiwillig gesetzlich versicherte Rentner müssen für Leistungen aus einer privaten Lebens- oder Rentenversicherung Beiträge an die gesetzliche Krankenkasse abführen. Dies hat das Bundessozialgericht (BSG) am 27.01.2010 bestätigt (Az.: B12 KR 28/08 R). Der Spitzenverband Bund hat für Kapitalleistungen in diesem Zusammenhang die 1/120stel-Regelung festgelegt. Es werden also 1/120stel einer Kapitalleistung im Monat (bis zur BBG) 10 Jahre lang verbeitragt. Privat Krankenversicherte sind hiervon nicht betroffen.

Beispiel: Beitragshöhe für freiwillig versicherte Rentner in der GKV

Gesetzliche Rente: 2.000 Euro

  • GKV (15,5%) - 310,00 Euro
  • Pflege (2,05%) - 41,00 Euro

Betriebsrente: 800 Euro

  • GKV (15,5%) - 124,00 Euro
  • Pflege (2,05%) - 16,40 Euro

Zinsen: 300 Euro

  • GKV (14,9%) - 44,70 Euro
  • Pflege (2,05%) - 6,15 Euro

Mieteinnahmen: 725 Euro

  • GKV (14,9%) - 108,03 Euro
  • Pflege (2,05%) - 14,86 Euro

Gesamtbeitrag

  • Gesetzliche Krankenkasse: 586,73 Euro
  • Gesetzliche Pflegeversicherung: 78,41 Euro
  • Beitragszuschuss des Rentenversicherungsträgers (7,3% von 2.000 Euro): 146,00 Euro
  • Beitragsanteil für Rentner: 519,14 Euro

Freiwillige Krankenversicherung - Personenkreis

Folgender Personenkreis ist berechtigt, die freiwillige Versicherung bei einer Krankenkasse zu beantragen:

  • Personen, die als Mitglieder aus der Versicherungspflicht ausscheiden,
  • Familienangehörige, deren Familienversicherung erlischt,
  • Bestimmte versicherungsfreie Berufsanfänger,
  • Arbeitnehmer, die krankenversicherungsfrei werden, weil ihr Arbeitsentgelt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt (Höherverdiener),
  • Arbeitnehmer, deren Mitgliedschaft durch Beschäftigung im Ausland endete, wenn sie innerhalb von 2 Monaten nach Rückkehr in das Inland wieder eine Beschäftigung aufnehmen,
  • Freiwillige Mitglieder, die derzeit bei einer anderen gesetzlichen Krankenkasse versichert sind.