Finanzderivat

Derivate als besondere Finanzmarkt-Instrumente

Das Finanzderivat ist ein relativ junges Instrumentarium an der Börse und an den Finanzmärkten. Sie wurden eingeführt, um Börsen-, Waren- oder andere Termingeschäfte abzusichern. Wir zeigen auf, in welcher Form Derivate heute häufig verwendet werden.

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Was versteht man unter einem Finanzderivat?

Börse und Finanzmarkt kennen heute eine Vielzahl von verschiedenen Anlageformen, wie es sie in der Vergangenheit nicht gab, darunter spezielle Modelle wie

Diese Aufzählung würde sich beinahe endlos fortsetzen lassen. Insbesondere das Finanzderivat ist ein relativ junges Finanzinstrument, das am deutschen Finanzmarkt erst seit einigen Jahren zugelassen ist. Derivate sind ihrem Begriff zufolge Ableitungen anderer Handels- oder Finanzgeschäfte und stellen insofern keine eigenständigen Investitionen dar. Vielmehr spiegeln sie den Wert anderer Vermögensanlagen, Börsengeschäfte oder einfach nur einer finanzpolitischen Entwicklung dar. Juristisch betrachtet sind Derivate ebenfalls keine Finanzanlagen, sondern spezielle Verträge, die darauf ausgerichtet sind, einen Wert zu den vertraglich festgelegten Bedingungen zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen.

Auch ein Tausch oder die Beschränkung auf eine Wertausgleichszahlung ist als grundlegender Vertrag möglich. Derivate sind somit an die Entwicklung der zugrunde liegenden Geschäfte gekoppelt. Bei diesen Geschäften muss es sich nicht zwingend um börsengehandelte Wertpapiergeschäfte handeln, sondern letztendlich sind Derivate im Zusammenhang mit jeder, auch außerbörslichen, finanzpolitischen Maßnahme denkbar. Neben der großen Anzahl an Zertifikaten und Optionen zählen auch Futures und Swaps zu den neu entwickelten Derivaten. Gerade diese Instrumente sind eher mit Wetten vergleichbar, als mit Wertpapier- oder Finanzgeschäften, da sie lediglich auf zukünftige Entwicklungen am Markt setzen.

Das Finanzderivat und seine Entwicklung

Ursprünglich diente das Finanzderivat ausschließlich dazu, Waren- und Finanzgeschäfte zu sichern. So verwendete man die Derivate bevorzugt bei Außenhandelsgeschäften, um diese vor Währungsrisiken zu schützen. Der Erfolg dieses Instruments führte dazu, dass sich die Derivate verselbstständigten und als eigenes Instrumentarium angeboten wurden. Grundsätzlich aber gab es Derivate schon viel früher und sie sind gar nicht so neu, wie man heute glaubt, denn im orientalischen Bereich verwendete man ähnliche Instrumente bereits im 2. Jahrtausend v. Chr., um schon zu dieser Zeit Außenhandelsrisiken zu minimieren. Da der Handel in der Antike zum größten Teil mithilfe der Seefahrt erfolgte, konnten Verluste durch Derivate teilweise wieder aufgefangen werden. Aber auch damals schon verwendete man dieses Instrument zur Marktmanipulation, indem man zum Beispiel auf die Olivenöl-Produktion setzte. Aristoteles beschreibt derartige Verhaltensweisen bereits um 330 v. Chr. in seinem Werk Politik.

In Europa kannte man Derivate bereits im Mittelalter, als in Amsterdam auf Tulpenzwiebeln spekuliert und damit bereits eine Handels- und Finanzkrise hervorgerufen wurde. Während es sich hier noch vorwiegend um Handelsderivate handelte, ist das moderne Finanzderivat auf die Entwicklung von Aktienkursen oder Währungskursen eingestellt. Aber auch Wetten auf die Entwicklung einer Volkswirtschaft oder die Insolvenz eines Unternehmens sind in Form von Derivaten möglich und tragen diesem Finanzinstrument häufig öffentliche Kritik ein.

Finanzderivat - Chancen und Risiken

Die Nutzungsmöglichkeiten von Derivaten sind vielfältig und dienen zunächst der Absicherung unsicherer Geschäfte. Sie können die zukünftige Preisentwicklung für ein Produkt beeinflussen und tragen somit zu einer sicheren Kalkulationsgrundlage bei. Ein weiterer Zweck, dem das Finanzderivat dient, ist die Arbitrage. So können Preisdifferenzen zwischen Kassa- und Terminmarkt zu Gewinnen durch Derivate führen, aber auch gesteigerte Kostenvorteile, die sich zwischen verschiedenen Marktsegmenten ergeben. Gerade die Arbitrage-Möglichkeiten haben eine wichtige Bedeutung für die Preisbildung der Derivate.

Die aktuell verbreitete Nutzung der Derivate besteht aber darin, sie zum Zweck der Spekulation zu verwenden. In einem solchen Fall ist das Finanzderivat mit einem deutlich geringeren Risiko für den Anleger verbunden, als der direkte Ankauf der Basiswerte und erfordert gleichzeitig einen geringeren Kapitaleinsatz. Unter Umständen kann auf den Kapitaleinsatz sogar verzichtet werden, wenn der Derivathandel auf Kreditbasis erfolgt. Das hat jedoch einen Hebeleffekt zur Folge, der wiederum zu überproportionalen Preisschwankungen der Basiswerte führen kann, auf die sich die Derivate beziehen. Sogenannte Finanzmarkt-Blasen, wie sie gerade in jüngster Vergangenheit zu wirtschaftlichen Krisen geführt haben, können unter Umständen die Folge eines ausufernden Derivathandels sein. Ein Derivathandel, der aufgrund besonderer Sicherheitsmechanismen für den Anleger risikoarm ist, kann für Unternehmen oder eine Volkswirtschaft ein hohes Risiko bedeuten.

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