Emissionshandel

Ein Preis für CO2-Emissionen

Wer marktwirtschaftlich den CO2-Ausstoß senken will, setzt auf Emissionshandel. Neben CO2-Steuern oder Grenzwerten ist der Emissionshandel ein Instrument, um den Treibhauseffekt zu bekämpfen. Vorausgesetzt, alle halten sich an die Spielregeln, damit die erwarteten Wirkungen des Emissionshandels nicht verpuffen.

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Wie funktioniert der Emissionshandel?

Die Theorie: Als Grundlage des Emissionshandels wird festgelegt, wie viele Treibhausgas-Emissionen in einem bestimmten Gebiet erlaubt sind, und zwar für einen klar definierten Zeitraum.

Dann erhalten alle beteiligten Emittenten Verschmutzungsrechte, die in der Summe der Gesamtmenge entsprechen. Diese Zertifikate werden kostenlos vergeben oder versteigert. Sie geben einem Emittenten das Recht, innerhalb eines bestimmten Zeitraums pro Zertifikat eine Tonne CO2 oder C02-Äquivalente auszustoßen (CO2-Äquivalente: Es gibt neben dem CO2 noch weitere klimaschädliche Gase, die in CO2-Äquivalenten erfasst werden. Zum Beispiel Methan: Eine Tonne Methan hat die Wirkung von 25 Tonnen CO2, also ergeben sich für eine Tonne Methan 25 Tonnen CO2-Äquivalente).

Wenn die Handelsperiode abgeschlossen ist, muss jeder Emittent nachweisen: Er hat nur so viel CO2 emittiert, wie ihm durch seine Zertifikate zustehen. Sonst sind Strafzahlungen fällig. Und jetzt kommt der Emissionshandel ins Spiel: Wer mehr CO2 ausstößt, als seine zugeteilten Zertifikate erlauben, kann weitere Verschmutzungsrechte kaufen. Er erhält sie von Marktteilnehmern, die weniger emittiert haben, als ihre Zertifikate zuließen.

Ein konkretes Beispiel: Unternehmen A und Unternehmen B haben jeweils einen CO2-Ausstoß von 10.000 Tonnen. Jedem von ihnen stehen aber nur Zertifikate für 9.000 Tonnen zur Verfügung. Was passiert? Unternehmen A kommt in der Handelsperiode tatsächlich auf einen CO2-Ausstoß von 8.000 Tonnen, Unternehmen B auf 10.000 Tonnen.

Also verkauft Unternehmen A an B Zertifikate für 1.000 Tonnen – und unterm Strich kommt heraus: Unternehmen A hat mit seinen überschüssigen Zertifikaten Geld verdient, Unternehmen B musste keine kostspieligen Investitionen tätigen. Und: Die gesamten CO2-Emissionen sind von 20.000 Tonnen auf 18.000 Tonnen gesunken. Volkswirtschaftlich betrachtet wird das CO2 da eingespart, wo es am effizientesten möglich ist – dafür sorgt der Preismechanismus im Emissionshandel.

Damit aber ein Anreiz zum Handel besteht, muss eine wichtige Voraussetzung erfüllt sein: Die Menge der ausgegebenen Zertifikate ist knapp zu halten. Wenn mehr Verschmutzungsrechte vorhanden sind, als tatsächlich gebraucht werden, verpuffen die positiven Wirkungen des Emissionshandels.

Praxis des Emissionshandels in der EU

Die Praxis: Die Europäische Union versucht u. a. mit ihrem Emissionshandel, die Klimaschutzziele des Kyoto-Protokolls zu erreichen (acht Prozent weniger Treibhausgas-Emission als 1990 bis 2008-2012). Der weltweit größte Emissionshandel begann am 1. Januar 2005 und gilt als Vorreiter für ein globales System. Im Moment erfasst der Emissionshandel mehr als 50 Prozent der europäischen CO2-Emissionen: 12.000 Anlagen sind in 30 europäischen Ländern betroffen. Die EU unterscheidet drei Handelsphasen:

  • 2005-2007: In dieser Phase wurden fast alle Zertifikate kostenlos ausgeben – in einem Umfang, der weit über dem tatsächlichen Bedarf lag. Die europäischen Emittenten erhielten Zertifikate für rund 2.150 Millionen Tonnen pro Jahr,  gaben aber allein 2005 nur 2.012 Millionen Tonnen CO2 an die Atmosphäre ab. Ergebnis: Der CO2-Ausstoß ist im Bereich des europäischen Emissionshandels nicht gesunken, sondern in diesem Zeitraum um 1,9 Prozent gestiegen. Und: Die kostenlose Ausgabe hatte für die Stromverbraucher einen besonderen Effekt. Allein in Deutschland verdienten 2005 die großen Energiekonzerne über fünf Milliarden Euro extra, weil sie den Wert der kostenlos erhaltenen Zertifikate auf den Strompreis umlegten (Windfall-Profits). Das hat der „Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft“ errechnet.

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  • 2008-2012: 27 nationale Allokationspläne legen fest, dass pro Jahr 2.080 Millionen Tonnen CO2 emittiert werden dürfen – lediglich 1,9 Prozent weniger im Vergleich zu den Emissionen 2005. Neu: Fehlen in Europa Zertifikate, können das Unternehmen ausgleichen, indem Sie Technologie zur CO2-Reduktion in Entwicklungsländern finanzieren. Ab 2012 wird auch der Flugverkehr in den Emissionshandel eingebunden, er verursacht mit 130 Millionen Tonnen CO2 rund drei Prozent aller Emissionen. Schließlich werden jetzt bis zu 10 Prozent aller Zertifikate versteigert.
  • 2013-2020: Statt nationaler Allokationspläne gibt es nur eine gemeinsame Obergrenze, die für alle Staaten gültig ist. Sie wird 2013 1970 Millionen Tonnen CO2 betragen und jährlich um 1,74 Prozent sinken. 2020 wird diese Obergrenze bei 1720 Millionen Tonnen liegen (79 Prozent der Emissionen aus 2005). Im gleichen Zeitraum werden immer mehr Zertifikate versteigert, 2020 sollen sie einen Anteil von 70 Prozent haben. Ab 2013 müssen sich 95 Prozent der europäischen Industrie am Emissionshandel beteiligen – jedes Unternehmen, das mehr als 10.000 Tonnen CO2 im Jahr ausstößt. Es gibt aber große Ausnahmen, zum Beispiel für energieintensive Betriebe.

Theorie und Praxis: Damit ein Emissionshandel in Schwung kommt, müssen die Rahmenbedingungen stimmen, zum Beispiel ist die Zahl der handelbaren Zertifikate spürbar zu verknappen. Ein Weg, den die EU ab 2013 einschlagen wird – dann wird sich zeigen, ob der Emissionshandel ein effektives Instrument zum Klimaschutz ist.

Ein Beitrag von Ingo Leipner

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