Elektrizitätswerke Schönau (EWS)
Ökostrom-Anbieter
Alles begann, als eine radioaktive Wolke über Deutschland zog: 1986 kam es zum Reaktorunglück von Tschernobyl, und Schönauer Bürger riefen die Initiative „Eltern für atomfreie Zukunft e. V.“ ins Leben. Zu ihren Aktivitäten gehörten u. a. Stromsparwettbewerbe. Der nächste Schritt war ein kleines Unternehmen, um kleine Wasserwerke zu reaktiveren und den Bau von Blockheizkraftwerken und Photovoltaikanlagen zu fördern. Dann wollte der alte Energieversorger, dass die Stadt Schönau seine Konzession um 20 Jahre verlängert. Ein heftiger Streit entbrannte – und im Oktober 1991 entschieden 56 Prozent der Schönauer Wähler in einem Bürgerentscheid: Die Konzession wird nicht verlängert.
Gründung der Elektrizitätswerke Schönau
Damit war der Weg frei für ein bundesweit einmaliges Experiment: 1994 gründeten die Schönauer Bürger die Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Der einzige Gesellschafter war die „Netzkauf GmbH“, an der sich über 650 Bürger beteiligt hatten. Und der Stadtrat? Er vergab im November 1995 eine Konzession an die EWS, damit sie die Stromversorgung in Schönau übernehmen konnte. Doch die Gegner stellten einen zweiten Bürgerentscheid auf die Beine, wobei sich aber die Wähler erneut mit 52,4 Prozent für die EWS als Stromversorger entschieden.
Die nächste Hürde war der Kaufpreis, den der alte Energieversorger für das Stromnetz verlangte: 6,5 Millionen Mark. 4 Millionen Mark kamen aus dem „Schönauer Energiefonds“ und Beteiligungen – das restliche Geld trieben die Bürger mit einer bundesweiten Spendenkampagne auf: „Ich bin ein Störfall“. Große Agenturen waren bereit, die Aktion kostenlos laufen zu lassen. 1997 war es soweit: Die „Stromrebellen“ übernahmen das Stromnetz von Schönau – ein einmaliger Erfolg der Anti-Atomkraft-Bewegung. Seit 1999 bieten die EWS ihren „Rebellenstrom“ bundesweit an.
Zusammensetzung des Stroms
Und wie setzt sich dieser Strom zusammen? 73 Prozent stammen 2008 aus Wasserkraft (Neuanlagen), und 17,9 Prozent beträgt der EEG-Anteil - also Strom, der aufgrund des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) aus regenerativen Quellen einzuspeisen ist. Die restlichen 9,1 Prozent stammen aus hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK), die mit Erdgas befeuert werden. Das bedeutet: Wenn die EWS Strom produzieren, werden 23 Gramm CO2 pro Kilowattstunde freigesetzt, im Bundesdurchschnitt sind es 506 Gramm.
Der Stromcent der EWS
Speziell am Strompreis der EWS ist der „Sonnencent“: Er steckt in jeder verkauften Kilowattstunde Strom, seine Höhe kann der Kunde selbst bestimmen – 0,5, 1 oder 2 Cent pro Kilowattstunde. Mit diesem Geld will die EWS „die Dezentralisierung und Demokratisierung der Stromerzeugung weiter vorantreiben“.
Gefördert werden besonders neue KWK- und Photovoltaikanlagen, wenn sie selbst noch nicht wirtschaftlich laufen. Damit leisten die EWS einen Beitrag, die Energieversorgung in Deutschland langfristig umzubauen – hin zu Strom aus Erneuerbarer Energie. Mit Erfolg: Bis November 2009 entstanden mit Hilfe des „Sonnencents“ 1452 dezentrale und ökologische Neuanlagen – „ein Land voller Rebellenkraftwerke!“, wie sich die EWS freuen.
Ein Beitrag von Ingo Leipner
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