Einkommensteuer

Welches Einkommen muss man versteuern?

Die Einkommensteuer ist eine der wichtigsten deutschen Steuerarten. Grundsätzlich verfolgt sie das Leistungsfähigkeitsprinzip und ist demnach von den Einkünften des Steuerpflichtigen abhängig. Wir erklären Ihnen, wie Sie Ihr zu versteuerndes Einkommen und somit Ihre Steuerschuld mindern können.

Einkommensteuer im Überblick

Das deutsche Steuersystem wendet eine progressive Berechnungsgrundlage an. Darin enthalten sind der Eingangssteuersatz, die Grundfreibeträge, die Eckwerte und der Spitzensteuersatz.

Das Steuersystem soll zu einer größeren Steuergerechtigkeit führen, indem Bezieher schwacher Einkommen mit einem prozentual niedrigeren Steuersatz belastet werden als höhere Einkommen. Grundlage ist der Gedanke, dass Bezieher hoher Einkommen auch nach Abzug eines hohen Steuersatzes noch ein deutlich höheres Nettoeinkommen erzielen als Geringverdiener.

Die Einkommensteuer ist eine direkte Steuer, die die Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen berücksichtigt und deshalb einen gestaffelten Steuersatz vorsieht. Die gesetzlichen Grundlagen zur Erhebung dieser Steuer sind im Einkommensteuergesetz (EStG) zu finden. Dabei ist das Einkommen aller natürlichen Personen mit einem Sitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland steuerpflichtig. Es ist grundsätzlich unerheblich, ob die Einkünfte im In- oder Ausland erzielt werden.

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Um jedoch eine Doppelbesteuerung von ausländischen Einkünften zu vermeiden, hat Deutschland mit vielen Ländern ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen, konkrete Regelungen sind im jeweiligen Abkommen zu finden.

In vielen Fällen wird die Einkommensteuer mit der Lohnsteuer gleichgesetzt, dies ist aus der steuerlichen Sicht jedoch nicht korrekt, da diese Steuer nicht nur auf das Einkommen aus selbstständiger Arbeit, sondern auf alle Einkunftsarten zu entrichten ist. Somit unterliegen der Einkommensteuererhebung folgende Einkünfte:

  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft,
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb,
  • Einkünfte aus selbstständiger Arbeit,
  • Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit,
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen,
  • Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung,
  • Sonstige Einkünfte.

Eine Einkommensteuerhebung erfolgt für den Zeitraum von einem Jahr, Grundlage für die Steuerschuld ist die Einkommensteuererklärung. Diese muss durch den Steuerpflichtigen beim zuständigen Finanzamt eingereicht werden, welches den Steuerbescheid sowie die Steuerschuld unter Berücksichtigung bereits geleisteter Vorauszahlungen erstellt.

Höhe der Einkommensteuer

Die Höhe der Einkommensteuer ist vom sogenannten zu versteuernden Einkommen abhängig. Der Berechnung liegt eine komplexe Methode zugrunde. Bei den ersten drei Einkunftsarten wird der Gewinn berechnet. Dieser setzt sich aus der Differenz der Einnahmen und der Ausgaben beziehungsweise der Differenz des Betriebsvermögens vom Veranlagungsjahr zum Vorjahr zusammen.

Im Gegensatz dazu ist bei den anderen vier Einkunftsarten eine Minderung der Einnahmen um die sogenannten Werbungskosten möglich. Als Werbungskosten können diverse Pauschalen angesetzt werden. Falls Steuerpflichtige nachweislich höhere Kosten haben, können sie diese auch bis zu einer gewissen Höchstgrenze steuermindernd geltend machen.

Die Summe der Teilergebnisse aller sieben Einkunftsarten ergibt die Summe der Einkünfte. Diese kann von Berechtigten wiederum um den Altersentlastungsbetrag, den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende sowie den Freibetrag für Land- und Forstwirte gemindert werden. Das Ergebnis entspricht dann dem Gesamtbetrag der Einkünfte, welcher wiederum um Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen sowie Steuerbegünstigungen gemindert werden kann. Der daraus resultierende Wert ist das Einkommen, welchem noch ein Kinderfreibetrag abgezogen werden kann, sodass das zu versteuernde Einkommen entsteht. Die berechneten Steuern, die sich aufgrund der ermittelten Bemessungsgrundlage ergeben, bleiben grundsätzlich gleich, solange sich das Einkommen nicht verändert.

Dieses ist die Grundlage für den persönlichen Steuersatz und somit für die Einkommensteuer. Ehepaare haben die Möglichkeit anstelle der Einzelveranlagung eine Zusammenveranlagung durchzuführen. Gerade bei unterschiedlichen Einkommenshöhen ist durch eine gemeinsame Veranlagung eine Reduzierung der Steuerschuld möglich.

Spitzensteuersatz und Besteuerungsgrundlagen

In Deutschland liegt der Eingangssteuersatz derzeit bei 14 Prozent wobei ein Grundfreibetrag von 8.472 Euro (2014: 8.354 Euro) berücksichtigt wird. Der Spitzensteuersatz liegt bei 45 Prozent.

Ab einem Einkommen von 52.882 Euro unterliegt das Einkommen einem Steuersatz von 42 Prozent, ab einem Einkommen von 250.731 Euro einem Steuersatz von 45 Prozent (Stand: 2015).

Einkommensteuer mindern

Sowohl bei den Werbungskosten als auch bei den Sonderausgaben sieht das deutsche Steuersystem Pauschbeträge vor. Diese können grundsätzlich von jeder steuerpflichtigen Person ohne Nachweis der tatsächlichen Kosten angesetzt werden. Grundsätzlich sollte jedoch immer überprüft werden, ob die tatsächlichen Ausgaben die Pauschalen überschreiten, da die Höchstgrenzen ein Vielfaches der Pauschalen betragen. So lohnt es sich beispielsweise für Arbeitnehmer mit einem langen Arbeitsweg, die Pendlerpauschale in Anspruch zu nehmen.

Die Sonderausgaben setzen sich aus Altersvorsorgeaufwendungen, andere Vorsorgeaufwendungen, andere Sonderausgaben und Zuwendungen zusammen. Aufgrund des sehr geringen Pauschbetrags für Sonderausgaben empfehlen sich für alle Steuerpflichtigen, die tatsächlichen Ausgaben nachzuweisen. So kann man beispielsweise Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung als Altersvorsorgeaufwendungen geltend machen. Als andere Vorsorge Aufwendungen können diverse Versicherungsbeiträge in die gesetzlichen aber auch privaten Versicherungen einkommensmindernd angerechnet werden. Ebenso ist eine teilweise Anrechnung von Schulgeld durch die anderen Sonderausgaben möglich, Gleiches gilt für Spenden, die dem Bereich Zuwendungen zuzuordnen sind.

Für die außergewöhnlichen Belastungen ist im deutschen Steuerrecht kein Pauschbetrag vorgesehen, trotzdem können viele steuerpflichtige Personen auch in diesem Bereich zum Beispiel durch die haushaltsnahen Dienstleistungen ihr zu versteuerndes Einkommen mindern.

Aufgrund der Komplexität des deutschen Steuerrechts empfiehlt es sich, die Hilfe eines Steuerberaters bei der Einkommensteuer in Anspruch zu nehmen.

Spitzensteuersatz im internationalen Vergleich

In vielen europäischen Ländern betragen die Einkommensgrenzen für den Höchststeuersatz zwischen 30.000 und 70.000 Euro. Die Frage nach der Steuergerechtigkeit ist also nicht nur durch den Spitzensteuersatz bestimmt, sondern auch durch die Einkommensgrenze, ab der er erhoben wird.

Neben der Steuerpflicht profitieren Einkommensbezieher auch von unterschiedlichen Steuervergünstigungen und Abschreibungsmöglichkeiten, die ebenfalls prozentual bemessen werden. In diesen Fällen sind Bezieher hoher Einkommen stärker begünstigt, als Geringverdiener. Dadurch relativiert sich die Höhe der Steuerlasten. In einigen europäischen Staaten finanziert sich das Sozialversicherungssystem ausschließlich aus Steuerleistungen. So erklären sich zum Beispiel die hohen Steuersätze in Dänemark und Schweden, die im Gegensatz zum deutschen Steuersystem auch Renten- und Krankenversicherungsbeiträge enthalten.

Deutschland rangiert im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld. Die niedrigste Steuerbelastung tragen Einkommensbezieher in Bulgarien. Ähnlich wie in anderen ehemaligen Ostblock-Staaten gibt es in Bulgarien einen einheitlichen, vom Einkommen unabhängigen Steuersatz. Traditionell einen sehr hohen Spitzensteuersatz haben die skandinavischen Staaten mit Ausnahme von Norwegen. Auch in den Niederlanden, in Belgien, in Großbritannien und in Österreich ist der Grenzsteuersatz deutlich höher, als in Deutschland. In den meisten europäischen Staaten beträgt der Höchststeuersatz zwischen 40 und 50 Prozent. Neben dem prozentualen Höchststeuersatz hat auch die Einkommensgrenze für die Anwendung dieses Satzes eine wichtige Bedeutung.

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