EEX
Börse für Strom, Kohle und Gas
Spot- und Terminmarkt der EEX
Seitdem hat sich in Leipzig eine Börse für Energie und energienahe Produkte entwickelt, die eine europaweite Bedeutung hat. Die EEX hat die größten Umsätze und die meisten Marktteilnehmer, wenn man die europäischen Energiebörsen vergleicht. Der Umsatz der EEX lag laut Geschäftsbericht 2008 bei über 43 Millionen Euro, ein Plus gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent. Die Eigenkapitalrendite betrug 27 Prozent. Am Spotmarkt für Strom wurde ein Volumen von 154 TWh gehandelt (+ 25 Prozent), am Terminmarkt betrug das Volumen 1.165 TWh (+ ein Prozent). Spot- und Terminmärkte gibt es auch für Gas und Verschmutzungsrechte, die im Rahmen des europäischen Emissionshandels auf den Markt kommen. Kohle wird nur an einem Terminmarkt gehandelt.
EEX-Spotmarkt für Strom: Es gibt zwei Formen des Spot-Marktes. Beim Intraday-Handel geht es darum, Stromlieferungen zu vereinbaren, die entweder an demselben Tag oder am Tag danach erfolgen. So werden kurzfristige Nachfragespitzen gedeckt: Die EEX-Teilnehmer kaufen zusätzliche Mengen an Strom bzw. stellen überschüssige Mengen zur Verfügung. Der Hintergrund: Kurzfristig kann es zu Abweichungen von Verbrauchsprognose kommen, die Energieversorger über den Intraday-Handel auffangen können. Das hat einen weiteren positiven Effekt: Weniger „Regelenergie“ ist nötig, um das Stromnetz aufrechtzuerhalten. Als „Regelenergie“ bezeichnen Fachleute zum Beispiel die Leistung von gasgefeuerten Kraftwerken, die sich bei Angebotslücken schnell hochfahren lassen. Der Intraday-Handel kennt an der EEX keine Pause: Er läuft 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Die Zweite Form ist ein Auktionshandel, der am so genannten Day-ahead-Markt stattfindet, weil hier Strom für den nächsten Tag verkauft wird. Dabei ist es auch Ziel der beteiligten Unternehmen, kurzfristige Schwankungen bei Angebot und Nachfrage auszugleichen. Die EEX-Auktion ermittelt einen einheitlichen Preis, zu dem Strom geliefert wird.
EEX-Terminmarkt: Bis zu sechs Jahre blicken hier die Marktteilnehmer in die Zukunft. Sie können in diesem Zeitraum Stromlieferungen vereinbaren, deren Preis jetzt schon feststeht. Dazu gibt es so genannte Monats-, Quartals- oder Jahresfutures. Diese „Futures“ sind Wertpapiere, die genau regeln, welche Menge Strom zu welchem Preis und Zeitpunkt gehandelt wird. Das sorgt für Sicherheit am Markt. Möglich sind auch Optionsgeschäfte: Dabei geht es um das Recht, eine bestimmte Strommenge in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen – es besteht dazu aber keine Verpflichtung.
Handelsüberwachung für fairen Wettbewerb
An beiden Märkten gibt es sehr unterschiedliche Teilnehmer: natürlich Energieversorger und Stadtwerke, aber auch Energiehändler, Broker, Banken und Unternehmen aus der Industrie. Damit ihre Geschäfte fair ablaufen, wurde eine Handelsüberwachungsstelle (HÜSt) eingerichtet.
Die EEX schreibt dazu: „Oberste Aufgabe einer Börse ist es sicher zu stellen, dass der Ablauf des Handels und die Preisermittlung fair und manipulationsfrei erfolgen.“ Die HÜSt ist ein unabhängiges Börsenorgan, das nur der Börsenaufsicht, dem sächsischen Wirtschaftsministerium und der EEX-Geschäftsführung untersteht. Sie erfasst täglich alle Daten, die bei den Börsengeschäften anfallen.
Eine Auswertung erfolgt – und in bestimmten Fällen stellt die HÜSt eigene Ermittlungen an. Diese Überwachung ist wichtig, weil es in der Vergangenheit Berichte über Preismanipulationen an der EEX gegeben hat. Trotzdem behauptet die EEX: „Mit ihrem dicht gespannten Kontroll- und Sicherheitsnetz der nationalen wie auch internationalen Aufsichtsbehörden und umfangreichen freiwilligen Sicherheitsstandards gehört die EEX zu den sichersten Energiehandelsplätzen Europas.“
Ein Beitrag von Ingo Leipner
Tera-, Giga- oder Megawatt?
- 1 Terawattstunde (TWh) = 1.000 Gigawattstunden (GWh)
- 1.000 GWh = 1.000.000 Megawattstunden (MWh)
- 1.000.000 MWh = 1.000.000.000 Kilowattstunden (kWh)
Der Stromverbrauch in Deutschland beträgt im Moment rund 600 TWh im Jahr.
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