Was ist die Deutschland-Rente?

Staatlicher Deutschland-Fonds mit geringen Kosten

Künftige Rentner werden geringere gesetzliche Renten erhalten. Um dem Problem der Altersarmut zu begegnen, schlägt die Politik einen staatlichen Anlagetopf vor - die Deutschland-Rente. Wie sie funktioniert und was für Versicherte besser werden soll.

Das Rentenniveau wird in den nächsten sukzessive sinken. Bis zum Jahr 2040 soll die Netto-Standardrente bei nur noch 42,1 Prozent des Nettoeinkommens liegen. Auch zusätzliche Altersvorsorge wie Riester-Rente oder betriebliche Altersvorsorge können die Rentenlücke nicht schließen. Daher kommt aus der Politik die Idee, mit einem zusätzlichen Vorsorgeinstrument das private Vorsorgesparen zu fördern.

Die Pläne zur Deutschland-Rente

Die Idee für eine Deutschland-Rente stammt vom hessischen Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), dem Minister für Soziales in Hessen, Stefan Grüner (CDU) sowie dem Grünen Tarek Al-Wazir (Wirtschaftsminister). Mit einem einheitlichen und einfachen Vorsorge-Konstrukt soll ein „kostengünstiges Standardprodukt für jedermann“ eingeführt werden.

Der vom Staat verwaltete Anlagetopf soll besonders kostengünstig verwaltet werden. Gespeist wird der Fonds von den Einzahlungen der Arbeitnehmer, die Teile ihres Gehalts einzahlen. Der Arbeitgeber führt die Beiträge mit der Gehaltsabrechnung an die Deutsche Rentenversicherung ab. Eine Gewinnerzielungsabsicht soll mit dem Fonds ausdrücklich nicht verbunden sein. Um eine hohe Beteiligungsquote zu erreichen, soll das sogenannte „Opting-Out“-Verfahren angewandt werden: Jeder Arbeitnehmer zahlt automatisch in den Fonds ein, sofern nicht aktiv widersprochen wird.

Warum soll es überhaupt einen „Staatsfonds“ geben?

Fast jeder sechste Rentner ist von Altersarmut betroffen. In keiner anderen Bevölkerungsgruppe wächst die Anzahl der armen Personen so stark an wie bei den Ruheständlern. Vor allem Frauen sind von Armut im Alter bedroht. Zugleich sorgen die Instrumente der privaten und betrieblichen Altersvorsorge nicht für die gewünschte Entlastung. Vor allem Geringverdiener nutzen die staatlichen Fördermöglichkeiten bei der Riester-Rente oder betrieblicher Vorsorge kaum aus.

Weiterer Kritikpunkt: Riester-Produkte sind zu teuer. Die Kosten für Verwaltung und Vertrieb sind in der Regel höher als die staatlichen Zulagen. Mit der Deutschland-Rente soll die zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge auf breite Bevölkerungsschichten ausgeweitet werden. Bisher nutzen nämlich weniger als die Hälfte der Förderberechtigten die Riester-Rente. Bei der Betriebsrente sehen die Quoten ähnlich schlecht aus. Vor allem in Kleinbetrieben sparen nur wenige Beschäftigte für eine Zusatzrente. Mit einem „Staatsfonds“ könnte in den Vorstellungen der Minister ein einfaches und kostengünstiges Instrument für eine Zusatzvorsorge geschaffen werden.

Anlage in Aktien soll Rendite bringen

Das Anlageportfolio soll breit gestreut sein und so die Risiken für die Anleger minimieren. Anders jedoch als bei klassischen Vorsorgeprodukten soll im Deutschland-Fonds ein höherer Aktienanteil gehalten werden. Damit hoffen die Minister, eine höhere Rendite zu erzielen. Die Staatsfonds von Norwegen und Schweden dienen dabei als Vorbild.

Pro & Contra Staatsfonds

Pro:

  • Kostengünstige Altersvorsorge
  • Durch Opting-Out-Verfahren hohe Teilnahmequote
  • Höhere Altersrente für große Bevölkerungskreise

Contra:

  • Gefahr von staatlichem Missbrauch des eingezahlten Kapitals
  • Einheitliche Anlagepolitik für alle Sparer, dadurch keine individuelle Risikostruktur
  • Konzentration auf geringe Kosten statt auf Rendite
  • Ist der Staat der bessere Anleger?
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