Betreuungsgeld: Bildungsbericht warnt vor Einführung
Ein Bildungsbericht von Bund und Ländern warnt vor der Einführung des Betreuungsgeldes. Die Hauptgegenargumente beziehen sich auf die Unfinanzierbarkeit des Projektes sowie auf die Verhinderung der frühkindlichen Bildung. Die mit der Erstellung des Berichts beauftragten Wissenschaftler des Bundesbildungsministeriums und der Kultusministerkonferenz beriefen sich unter anderem darauf, dass betreute Kinder über einen Wissensvorsprung in der vierten Klasse verfügten.
Den Plänen der Bundesregierung zur Folge, erhalten Eltern von einjährigen Kindern ein Betreuungsgeld von zunächst 100 Euro, wenn sie ihren Nachwuchs zu Hause betreuen. Ab 2014 sollen dann alle unter Dreijährigen monatlich 150 Euro bekommen, sofern das Kind keine Kindertagesstätte besucht. Das Projekt wurde bereits in den Koalitionsverhandlungen im Jahr 2009 ins Leben gerufen und vereinbart. Doch in letzter Zeit sprachen sich immer mehr Abgeordnete aus der Koalition gegen die sogenannte Herdprämie aus.
Die Einbringung des Gesetzesentwurfs bezüglich des umstrittenen Vorhabens scheiterte am vergangenen Freitag aufgrund einer Beschlussunfähigkeit, die heftig vom bayerischen Ministerpräsidenten, Horst Seehofer, moniert wurde. Die CSU drängt auf die Abstimmung und droht mit einem Koalitionsbruch für den Fall eines Zustandekommens des Gesetzes. Für dieses Fingerheben erntete er heftige Kritik. Die FDP fordert insofern Änderungen am Gesetzesentwurf als dass die Länder über die Einführung eines Betreuungsgeldes entscheiden sollen.
Zu der Kritik innerhalb der Koalition, melden sich nun Wissenschaftler des Bundesbildungsministeriums und der Kultusministerkonferenz mit ihrem Bildungsbericht. Der Bericht, welcher im Zweijahresturnes erstellt wird, soll am Freitag veröffentlicht werden. Die Hauptgegenargumente der Experten gegen eine Einführung des Betreuungsgeldes beziehen sich einerseits auf die Unfinanzierbarkeit des Projektes sowie auf die Verhinderung der frühkindlichen Bildung. Die mit der Erstellung des Berichts beauftragten Forscher beriefen sich unter anderem darauf, dass betreute Kinder über einen Wissensvorsprung in der vierten Klasse verfügten.
Darüber hinaus betonten die Experten das Dilemma von Kindern, die weder Unterstützung durch ihre Eltern erhalten, noch eine Kita besuchten. Diese Kinder bezeichneten sie als doppelt benachteiligt. Zudem sei der Staat bereits an seine Möglichkeiten gestoßen, was die Finanzierung von Kindertagesplätzen und die Verbesserung der Angebote anbetrifft. Jedes Projekt, welches zusätzlich gefördert werden müsse, verhindere die Durchführung der anderen.
Untersuchungen ergaben, dass besonders Kinder aus Familien mit hohem Bildungsniveau vom Besuch einer Kindertagesstätte profitieren. Die Kinder gehen insofern als Gewinner hervor, da sie neben dem professionellen Bildungsangebot im Kindergarten zusätzlich zu Hause gefördert werden. Gebildete Eltern nehmen sich trotz Berufstätigkeit die Zeit, mit den Kindern zu lesen oder Wortspiele durchzuführen. In der Bundesrepublik gelten 25 Prozent der 3- 7-jährigen Kinder als sprachförderbedürftig.
Das Projekt Betreuungsgeld erntete von vielen Seiten Kritik. Experten vertreten die Ansicht, dass die „Herdprämie“ nicht den Zeitgeist treffe. Zudem könne der Fall eintreten, dass Eltern nur aus dem Grund die Prämie einfordern, weil sie keinen Betreuungsplatz erhalten. Berechnungen zur Folge, besteht die Möglichkeit, dass Eltern von rund 1,1 Millionen Kindern die Auszahlung beantragen könnten.