Demografischer Wandel in Deutschland

Sinkende Geburtenrate und Anstieg der Lebenserwartung

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts übersteigt die Sterberate in Deutschland die Geburtenrate. Dadurch geht die Bevölkerungszahl zurück. Demografischer Wandel bedeutet die Schrumpfung der Bevölkerung bei gleichzeitiger Alterung der Bewohner. In erster Linie wird der demografische Wandel als Auslöser für die notwendigen Um- und vor allem Rückbauarbeiten am Sozialsystem angeführt. Die Ursachen sind alle bekannt: ein deutlicher Rückgang der Fertilität gepaart mit einem erfreulichen Anstieg der Lebenserwartung.

Die neuesten UN-Daten weisen einen Anstieg des Medianalters der Weltbevölkerung von 24 Jahren in 1950 auf 28 Jahre heute und knapp 38 Jahre im Jahr 2050 aus. Gleichzeitig sank die Weltgeburtenrate von 5 Kinder pro Frau vor 50 Jahren auf heute 2,55 Kinder, Tendenz weiter fallend. In 45 Jahren werden nur noch 2,05 Kinder pro Frau erwartet.

Der demografische Wandel ist bereits in vollem Gang. Die Auswirkungen werden jedoch erst ab dem Jahr 2015 bis 2020 zu spüren sein. Welche Konsequenzen hat die Alterung der Gesellschaft? Und vor allem: Was müssen wir tun?

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Demografischer Wandel: "Doppelte Alterung" als Ursache

Hält diese Entwicklung an, wird die Weltbevölkerung in der zweiten Hälfte diesen Jahrhunderts anfangen zu schrumpfen. Gleichzeitig nimmt auch das Verhältnis der Über-65-Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen (der sogenannte Altenquotient) spürbar zu.

Anfang der siebziger Jahre, als der „Club of Rome“ seinen ersten Bericht zu den „Grenzen des Wachstums“ vorlegte, stand die drohende Überbevölkerung der Erde im Brennpunkt der Berichterstattung über demographische Entwicklungen. Diese Sichtweise hielt noch rund eine Dekade an. Erst seit der zweiten Hälfte der neunziger Jahre rückte die Alterung in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dabei gehen geringere Befürchtungen hinsichtlich des Bevölkerungswachstums und größere mit Blick auf die Alterszusammensetzung Hand in Hand. Die Folge eines Rückgangs der Fertilität ist eine zunehmende Alterung der Bevölkerung. Da zusätzlich auch noch die Lebenserwartung anstieg, spricht man in Fachkreisen von einer doppelten Alterung.

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Gründe für den demographischen Wandel

  • Fertilität: In der Regel ausgedrückt als Anzahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt, wenn die durchschnittliche altersspezifische Geburtenziffer (Anzahl Kinder je Frau im Alter x) in Zukunft unverändert bleibt. Diese liegt in Deutschland zurzeit (2003) bei 1,34, d.h. 1.000 Frauen bringen in ihrem Leben rund 1.340 Kinder zur Welt.
  • Lebenserwartung: In der Regel ausgedrückt als Anzahl der Jahre, die ein Mensch bei Geburt wahrscheinlich erleben wird. Die aktuelle Lebenserwartung ergibt sich aus der jeweiligen Sterbetafel und stellt daher keine wirkliche Prognose dar, sondern ist eher eine Momentaufnahme der altersspezifischen Sterblichkeit in einem Land. Gegenwärtig liegt die Lebenserwartung bei Alter 0 für Männer bei 75,59 Jahren und für Frauen bei 81,34 Jahren.
  • Wanderungssaldo: Neben der natürlichen Bevölkerungsbewegung, die sich aus dem Saldo Geborener zu Gestorbenen ergibt, bestimmen Zu- und Fortzüge aus einem Land die Bevölkerungsentwicklung. 2003 wanderten rund 143.000 Menschen mehr nach Deutschland zu, als fortzogen.

Fertilität: Dauerhaft niedrige Geburtenrate

Damit die Bevölkerung in einem Land konstant bleibt, muss eine durchschnittliche Frau in ihrem Leben rund 2,1 Kinder zur Welt bringen (d.h. 1.000 Frauen, 2.100 Kinder).Sie ersetzt damit sich selbst und ihren Partner, hinzu kommt noch ein „Sicherheitszuschlag“ für Kinder, die sich später selbst nicht fortpflanzen können oder vorher versterben. Das letzte Jahr, in dem dieser Wert in Deutschland erreicht wurde, war 1970, ihren höchsten Wert seit dem zweiten Weltkrieg erreichte die Fertilität 1964 mit 2,54.

Neben der Fertilität ist auch zu beachten, wie viele Kinder in einem Land insgesamt geboren werden. Die zahlenmäßige Besetzung der unterschiedlichen Jahrgänge potenzieller Mütter ist dafür ausschlaggebend. Denn hat sich die Fertilität einmal, wie z.B. in Deutschland dauerhaft nach unten bewegt, dann genügt nicht ein entsprechender Anstieg auf das alte Niveau, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Da die Kohorten potenzieller Mütter entsprechend dünner besetzt sind, müsste die Fertilität sehr weit über den Wert von 2,1 ansteigen – sieht man einmal von Zuwanderung ab – um in Deutschland die gegenwärtige Bevölkerungszahl von 82,5 Millionen dauerhaft zu halten. Bei einem Anstieg nur etwas über das Niveau von 2,1 dauert es einige Generationen, bis die alte Bevölkerungszahl wieder erreicht wird.

Ein Blick auf die Zahl der Geborenen zeigt ein ähnliches Bild wie der auf die Fertilität. 1964, dem Höhepunkt seit 1945, wurden in Deutschland 1,36 Millionen Kinder geboren. 2003 waren es noch 707.000 oder 48% weniger. Allein seit 1990 ist die Zahl der Geborenen um 22 % gesunken. Ein Rückgang der Fertilität, verbunden mit einer sinkenden Anzahl Neugeborener, führt unweigerlich zu einer Alterung der Gesellschaft. Zu wenige Junge rücken nach und das Durchschnittsalter bzw. Medianalter (Alter über bzw. unter dem 50 % der Bevölkerung sind) steigt an. 

Lebenserwartung beeinflußt Demografie

Dieser Trend wird noch verstärkt, wenn die Lebenserwartung zunimmt. In Deutschland betrug die Zunahme der Lebenserwartung für Männer seit 1970 gut 8 Jahre und für Frauen 7,5 Jahre. Der Trend zur Zunahme der Lebenserwartung hält nach wie vor an. Bedeutsam, z.B. für die Berechnung zukünftiger Rentenlasten, ist neben der Entwicklung der Lebenserwartung ab Geburt auch die ab Alter 65. 1970 betrug dieser Wert für Männer 12,06 Jahre und für Frauen 15,18 Jahre: Heute betragen diese Werte für Männer und Frauen entsprechend 16,07 und 19,61 Jahre. Ein Anstieg um ein Drittel bei Männern und um knapp 30 % bei den Frauen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Finanzen der Rentenkassen.

Weitere Anstiege stehen bevor. Die Bevölkerungssituation in Deutschland wird neben Geburten und Lebenserwartung in erheblichem Maße von Wanderungsbewegungen mitbestimmt. Fast 770.000 Menschen zogen 2003 nach Deutschland zu, ihnen standen 630.000 Fortzüge gegenüber. Im Saldo wuchs die deutsche Bevölkerung durch Zuwanderung um 143.000 Menschen. Die Zahlenreihe des Wanderungssaldo ist starken Schwankungen unterworfen, die u.a. von Änderungen gesetzlicher Regelungen bezüglich des Asylrechts oder anderer Bestimmungen herrühren. 1992 wanderten netto nahezu 800.000 Menschen nach Deutschland zu, 1998 waren es dagegen knapp 50.000.

Die Entwicklung der Bevölkerungszahl ergibt sich aus der Summe des Wanderungssaldo und des Geburten- oder Sterbeüberschusses. Da seit 1972 in Deutschland Jahr für Jahr mehr Menschen sterben als geboren werden, geht die Bevölkerungszunahme seitdem allein auf die Nettozuwanderung zurück. Dabei gab es auch immer einzelne Jahre, in denen die Zuwanderung nicht ausreichte, den Sterbeüberschuss zu kompensieren, wie z.B. im Jahr 2003, als die Bevölkerung um rund 5.000 Menschen schrumpfte. Langfristig wird an dieser Entwicklung ohnehin so gut wie kein Weg vorbeiführen. Selbst ein jährlicher Wanderungsüberschuss von 200.000 Menschen reicht auf Dauer nicht aus, den Bevölkerungsrückgang in Deutschland aufzuhalten.

Wanderungssaldo und Migration beeinflussen Demografie

Verglichen mit vielen anderen Prognosen sind Bevölkerungsvorausschätzungen relativ sicher. Dies liegt daran, dass sich die maßgeblichen Parameter Fertilität und Sterblichkeit in aller Regel nur allmählich ändern, und die wahrscheinlichen Veränderungen in die Prognosen aufgenommen werden können.

Am schwierigsten ist die Migration zu fassen. Neben ökonomischen Veränderungen haben auf sie auch regulatorische Maßnahmen maßgeblichen Einfluss, diese sind allerdings kaum prognostizierbar. Für Deutschland erstellt das Statistische Bundesamt Bevölkerungsprognosen. Im Folgenden beziehen wir uns immer auf die so genannte mittlere Variante, die einen Anstieg der Lebenserwartung bis 2050 auf 81,1 Jahre für Männer und 86,6 Jahre für Frauen unterstellt, und von einer Nettozuwanderung zwischen rund 230.000 im Jahr 2010 und 200.000 im Jahr 2050 ausgeht.

Gemäß diesen Prognosen wird die Bevölkerungszahl ab dem Jahr 2012 – in dem rund 83,2 Millionen Menschen in Deutschland leben sollen – beginnen zu schrumpfen. Da die getroffenen Zuwanderungsannahmen in den vergangenen Jahren nicht zutrafen, könnte der Hochpunkt der Bevölkerungsstärke auch zu einem etwas früheren Zeitpunkt erreicht sein. Im Jahr 2050 werden dann noch rund 75 Millionen Menschen in Deutschland leben. Fällt die Zuwanderung nur halb so hoch aus, werden es rund 67 Millionen Menschen sein.

Steigende Alterspyramide

Aufschlussreich ist auch die Entwicklung des so genannten Altenquotienten, der das Verhältnis der 65-Jährigen und älteren zu den 15- bis 64-Jährigen darstellt. Damit gibt dieser Aufschluss über das Verhältnis von potenziell erwerbsfähiger Bevölkerung zu den potenziellen Rentnern.

Dieser Quotient liegt zurzeit bei rund 28,5 %, d.h. auf 100 Personen in der Altersgruppe 15-64, kommen im Schnitt 28,5 Personen über 65. Bis 2015 weist dieser Quotient nur einen vergleichsweise moderaten Anstieg aus. Die relativ geburtenschwachen Kriegs- und Nachkriegsjahre sind die Ursache dafür. Erst Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts begann die Zahl der Geburten wieder spürbar anzusteigen.

Der Jahrgang 1955 erreicht 2020 das Alter von 65 Jahren. In den Jahren von 2020 bis 2035 erreichen dann die geburtenstarken Jahrgänge das Alter 65 und der Altenquotient verschlechtert sich stetig auf knapp 49 % im Jahr 2035. 100 jüngeren Bürgern stehen dann fast 50 Rentner gegenüber, 1957 – als unser heutiges Rentensystem eingeführt wurde – waren es nur 17.

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