Die Folgen des demografischen Wandels

Auswirkungen auf die Sozialversicherungen

Die Folgen der demographischen Veränderungen lassen kaum einen Bereich der deutschen Wirtschaft unberührt. Das Erwerbspersonenpotenzial, das ist die Anzahl der Menschen im Alter von 15 – 64, sinkt um 20 % von heute 55 Mio. auf 44 Mio. im Jahr 2050.

Geht man davon aus, dass die Berufstätigkeit mit dem 20. Lebensjahr beginnt und dem 65. endet, so werden ab 2013 Jahr für Jahr mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als nachrücken. Am ungünstigsten wird dieses Verhältnis in rund 20 Jahren: denn von 2026 bis 2033 übersteigt jedes Jahr die Zahl derer, die 65 Jahre alt werden, die der 20-Jährigen um über 500.000.

Danach – mit dem Renteneintritt der letzten Baby-Boomer – verringert sich diese Zahl wieder. Im Zuge dieser Entwicklung ist mit einer Entspannung der Lage auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen, allerdings beruht ein erheblicher Teil der Arbeitslosigkeit in Deutschland darauf,dass die Qualifikation oder der potenzielle Einsatzort von Arbeitssuchenden und angebotenen Stellen nicht zueinander passen. Dieses Missverhältnis kann auch die demographische Entwicklung nicht beseitigen.

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Demografie und die Konsequenzen für Renten- und Krankenversicherung

Deutlich negativer als auf den Arbeitsmarkt wirkt die demographische Entwicklung auf die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Bei der Rentenversicherung ist der Zusammenhang für jedermann offensichtlich.

Vergleicht man die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit der der Rentner, kommt man zu dem Ergebnis, dass heute 100 Beitragszahler für 58 Rentner aufkommen müssen, 2050 werden es 72 Rentner sein. Diese Zahl stimmt aber nur dann, wenn die Erwerbsquoten der Frauen und Personen über 55 Jahren in den nächsten Jahren kräftig ansteigen, auf Niveaus wie in den skandinavischen Ländern.

Bei der Kranken- und Pflegeversicherung zeichnen sich Entwicklungen ab, die denen bei der Rentenversicherung an Dramatik nicht nachstehen. Ein Anstieg der Gesundheitskosten ist im Zuge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft nicht aufzuhalten.

So sind die Gesundheitsausgaben für einen 60-Jährigen 2,8 mal (80-Jährigen 5,7 mal) so hoch wie für einen 30-Jährigen und die Arzneiausgaben von 60-Jährigen 3,6 mal so hoch wie bei 30-Jährigen. Die Zahl der 60-Jährigen und älteren wird von heute 20,5 Millionen auf 28 Millionen im Jahr 2030 ansteigen.

Ähnlich ist die Lage der Pflegeversicherung. Das Pflegefallrisiko steigt mit dem Alter. In den Altersgruppen bis 60 Jahre ist es nahezu verschwindend gering, steigt danach aber vergleichsweise steil an. Die Brisanz, die in diesen Zahlen steckt, wird erst dann deutlich, wenn man sie mit der zahlenmäßigen Entwicklung verschiedener Altersgruppen in Verbindung bringt.

So wird die Zahl der Über-80-Jährigen in Deutschland von heute 3,6 Mio. auf 6 Mio. im Jahr 2030 und 9 Mio. im Jahr 2050 ansteigen. Statt 4 % wie heute werden dann 12 % der Bevölkerung in dieser Altersgruppe sein. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geht von einer notwendigen Verdreifachung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung bis 2030 aus.

Fazit zum demografischen Wandel

Deutschland hat noch knapp 10 Jahre Zeit, bis sich die Folgen des demographischen Wandels immer rascher und deutlicher zeigen werden. Diese Zeit gilt es zu nutzen, um die sozialen Sicherungssysteme vorzubereiten.

Im Prinzip ist bereits alles gesagt, es mangelt aber noch an der beherzten Umsetzung der als notwendig erkannten Maßnahmen, wie z.B.

  • Anhebung des Rentenalters auf mindestens 67 Jahre,
  • Beschränkung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung verbunden mit einer stärkeren Kapitaldeckung,
  • Dynamisierung der Pflegeleistungen im Zuge einer Kapitaldeckung der Pflegeversicherung, usw.

Der anhaltende Verzicht auf Kinder ist das bestimmende Element des demographischen Wandels in Deutschland. Die Folge ist auf gesellschaftlicher Ebene die gleiche wie auf familiärer: Vorsorgeleistungen, die früher von Kindern erbracht wurden, müssen zukünftig stärker vom Individuum selbst geleistet werden.

Bei der Rente bedeutet dies, dass die fehlenden Nachkommen durch verstärkte Sparanstrengungen kompensiert werden müssen. Eine Gesellschaft, die weniger Kinder alimentieren muss, verfügt aber auch über die finanziellen Mittel, diese Leistungen zu erbringen.

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