Britische Versicherer
Canada Life, Clerical Medical und Standard Life
Britische Versicherer müssen die Auflagen der britischen Aufsicht FSA und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) gleichzeitig erfüllen.
Öffnung des europäischen Binnenmarktes
Im Zuge der EU-Marktharmonisierung im Jahr 1994 und der daraus folgenden Öffnung des Binnenmarktes für den Dienstleistungssektor, haben britische Versicherer Zugang zum deutschen Markt bekommen. Britische Versicherungsunternehmen unterliegen somit nicht nur dem strengen, kundenfreundlichen britischen Aufsichtsrat FSA (Financial Service Authority), sondern gleichzeitig der deutschen Aufsichtsbehörde BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht).
Wer in Deutschland einen Vertrag bei einem britischen Versicherer abschließt, hat die Sicherheit, dass für den Vertrag deutsches Recht gilt. Die Lebens- und Rentenversicherungen werden in Euro geführt. Damit besteht kein Währungsrisiko bei einer Anlage bei britischen Versicherern.
Britische Versicherer in Deutschland
Die führenden angelsächsische Versicherungsunternehmen, die sich mittlerweile in Deutschland etabliert haben, sind folgende:
Clerical Medical
Das britische Versicherungsunternehmen „Clerical Medical“ wurde 1824 gegründet und gehört, durch den Zusammenschluss des britischen Finanzdienstleisters „Halifax“ und der „Bank of Scotland“, zur „HBOS-Gruppe“. Durch Tochtergesellschaften auf vier Kontinenten, mit über 5 Millionen Kunden, zählt die Clerical Medical zu den größten und ältesten Versicherern weltweit.
Standard Life
1825 wurde das Versicherungsunternehmen „Standard Life“ in Edinburgh, Schottland, gegründet. 1996 gründete Standard Life eine Niederlassung in Frankfurt am Main und betreut von dort aus über 400.000 Kunden aus dem deutschen und österreichischen Raum.
Royal London
Die Royal London gehört zu den größten Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit in England. Gegründet im Jahr 1861, wuchs die Kundenzahl der Royal London, durch Übernahme der United Insurance Group und der Schottish Life, auf über 4 Millionen Versicherungsnehmer an.
Canada Life
Wie der Name bereits verrät, gehört die „Canada Life“ nicht im engeren Sinne zu den britischen Versicherungen, arbeitet aber nach dem britischen System. Seit der Firmengründung im Jahr 1847, betreut Canada Life weltweit über 10 Millionen Kunden.
Unterschiede zwischen britischen und deutschen Versicherungen
Der augenfälligste Unterschied zwischen dem britischen und dem deutschen Versicherungssystem ist die durchweg höhere Ablaufleistung (Rendite) der britischen Versicherungspolicen. Im Gegensatz zur klassischen deutschen privaten Lebensversicherung, die maximal 30% des Investments in Aktien vornehmen darf (gesetzliche Vorschrift der BaFin), sind britische Versicherungsunternehmen frei in ihrer Anlagestrategie und somit flexibler in ihrer Reaktion auf die Gegebenheiten des Marktes.
Weiterhin kennt das britische System keine Garantieverzinsung, die bei deutschen Lebensversicherern obligatorisch ist. Der Rechnungszins bei deutschen Lebensversicherern wird kontinuierlich nach unten korrigiert und ist nicht kompatibel mit der britischen Philosophie eines schlanken und transparenten Kostenmanagement sowie der erfolgssichernden Grundidee der Flexibilität. In der Vergangenheit hatten deutsche Versicherungsgesellschaften teils Probleme die Garantieversprechen gegenüber ihren Kunden einzulösen.
Ferner wirkt sich die Garantieverzinsung auf die Höhe Verwaltungsgebühren und der Anlageflexibilität aus, so dass britische Versicherungsgesellschaften von einer solchen Garantie Abstand nehmen. Das britische System bietet in den meisten Fällen als Garantie die Investitionsmöglichkeit in Garantiefonds, je nach Sicherheitsbedürfnis des Anlegers. Bei Pools mit deklariertem Wertzuwachs, wird jährlich ein deklarierter Wertezuwachs ausgesprochen, der nicht zurück genommen werden kann. Darüber hinaus wird das erreichte Vermögen bei britischen Versicherern bis zum Vertragsende fest gehalten und der Wert garantiert nicht mehr unterschritten.
Der Glättungsprozess „Smoothing“ gewährleistet den Anlegern eine Minimierung der Kursrisiken. Die Sicherheit einer Anlage in britische Versicherungen wird weiterhin durch die strenge britische Aufsichtsbehörde FSA überwacht, die die Gesellschaften dahingehend prüft, ob diese ihre Garantien gegenüber den Kunden einhalten können (Bonitätsprüfung). Zum Ende der ordnungsgemäßen Vertragslaufzeit vergeben britische Versicherer einen guten Schlussbonus, was bei deutschen Versicherern nicht geschieht.