Berufsunfähigkeitsversicherung

BU-Tarife unbedingt vergleichen: Billig allein reicht nicht

Die Statistik spricht ganz klar für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung): Jeder fünfte Berufstätige muss seinen Job aus gesundheitlichen Gründen vor Rentenbeginn aufgeben. Und 90 Prozent der Frührentner verlieren ihren Job aufgrund einer Erkrankung. Trotzdem hat nur jeder dritte Beschäftigte eine BU-Police abgeschlossen. Und selbst wer einen Vertrag in der Tasche hat, kann sich nicht sicher sein, dass im BU-Fall gezahlt wird. Denn Billig-Policen verweigern im Ernstfall die Leistungen.

Was spricht für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung?

Psychische Erkrankungen führen heute zu den häufigsten Fällen von Berufsunfähigkeit. Allein bei den gesetzlichen Erwerbsminderungsrenten machen psychische Leiden wie Burnout und depressive Verstimmungen einen Anteil von mehr als 40 Prozent bei den Frührentnern aus. Waren es in den 1990er Jahren vor allem körperliche Gebrechen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu einer BU geführt haben, so sind heutzutage psychische Leiden inzwischen auch bei privaten BU-Verträgen der Hauptgrund für den Ausfall der Berufs- und Leistungsfähigkeit.

Aus einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) geht jedoch hervor, dass lediglich 17 Mio. private Verträge das BU-Risiko absichern - und das bei mehr als 42 Mio. Erwerbstätigen. Noch immer wird das Risiko, berufsunfähig zu werden, massiv unterschätzt. Vor allem junge Menschen sind in der Regel unterversichert oder haben gar keinen Vertrag. 

Darum sollte sich jeder gegen Berufsunfähigkeit absichern

  • Die gesetzliche Absicherung ist zu gering: Im Schnitt liegt die Rente bei lediglich 613 Euro.
  • Berufsunfähigkeit kann jeden treffen - unabhängig von Alter, Geschlecht oder Beruf.
  • Arbeitskraft ist ein wichtigster Baustein der eigenen Finanzplanung: Hochgerechnet bis zum Renteneintritt liegt die „Versicherungssumme“ schnell im Millionenbereich.

 

Leistung ist wichtiger als ein günstiger Beitrag

Der Wettbewerb um neue Kunden hat seit der Abschaffung der gesetzlichen BU-Absicherung im Jahr 2001 zu einem wahren Preiskampf geführt. Inzwischen gibt es kaum einen Versicherer, der in den aktuellen Testberichten von Finanztest nicht mit „sehr gut“ oder „gut“ abschneidet. Doch Verbraucher sollten vorsichtig sein.

Bei den zahlreichen Tests und Ratings steht in der Regel der Preis im Vordergrund. Die so wichtigen Versicherungsbedingungen werden meist nur oberflächlich bewertet. Folge: Wer sich allein auf die Bewertung einer „unabhängigen Ratingagentur“ verlässt, erlebt im BU-Fall möglicherweise sein Waterloo. Nämlich dann, wenn der Versicherer die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente verweigert.

Aus diesem Grund sollte man vor Abschluss eines Vertrags, das "Kleingedruckte" der BU-Angebote vergleichen. Grundsätzlich gilt: Der Preis sollte nicht das alleinige Kriterium sein.

Wie findet man eine gute BU-Versicherung?

Was es im Vorfeld zu beachten gilt: 

  • Der Antragssteller muss vollständige und wahrheitsgetreue Angaben zu Beruf, Vorerkrankungen, Hobbys und bestehenden Versicherungen geben.
  • Der Antragsteller sollte Risikovoranfragen bei Vorerkrankungen stellen, damit kein Eintrag in die Wagnisdatei der Versicherer erfolgt.
  • Der Versicherungsanbieter sollte kundenfreundliche und verständliche Gesundheitsfragen sowie Anfragezeiträume bieten.
  • Die Versicherungs- und Leistungsdauer sollte bis zum 67. Lebensjahr reichen.
  • Der Versicherungsvertrag sollte eine jährliche Dynamik zum Inflationsausgleichh umfassen.
  • Es sollte die korrekte, individuelle BU-Rentenhöhe ermittelt und abgesichert werden (75-90 Prozent vom Nettoeinkommen).

Übersicht sinnvoller Bedingungskriterien:

  • Dauerhafter Verzicht auf abstrakte Verweisung, auch im Nachprüfungsverfahren und bei dauerhaftem Ausscheiden aus dem Beruf.
  • Weltweiter Versicherungsschutz, auch im Urlaub, bei Geschäftsreisen oder längerfristigem Auslandsaufenthalt.
  • Nachversicherungsgarantien, d.h. Höhenversicherung ohne erneute Gesundheits- und Risikopüfung.
  • Keine Meldepflicht bei gesundheitlicher Verbesserung bzw. Minderung der BU oder Wideraufnahme einer beruflichen Tätigkeit.
  • Rückwirkende Zahlung der BU-Rente im Leistungsfall.
  • Kein Leistungsausschluss bei Berufsunfähigkeit durch fahrlässige Verstöße im Straßenverkehr oder andere Delikte.
  • Volle BU-Leistungen ab 1 Pflegepunkt bzw. Kräfteverfall.

Kriterien für die Wahl des Versicherungsunternehmens

  • Finanzstarker Versicherer mit überdurchschnittlicher Bonität und Ratings.
  • Kompetenz und langjährige BU-Erfahrungen.
  • Geringe Prozess- und hohe BU-Anerkennungsquote.
  • Verbindliche Kriterien bei Leistungsprüfung.

Berufsunfähigkeit gezielt absichern: Der Weg zum besten Vertrag Dieser Ratgeber informiert über die optimalen Vertragsklauseln und dem Versicherungsschutz in ausreichender Höhe.

Kosten: Diese Faktoren beeinflussen den Beitrag der BU-Versicherung

In die Prämie für eine BU fließen zahlreiche Faktoren ein. Folgende Kriterien beeinflussen die Versicherungsprämie:

Persönliche Faktoren

  • Eintrittsalter
  • Beruf
  • Gesundheitszustand des Antragstellers
  • Hobbys und Freizeitsportarten

Versicherte Leistungen

  • Höhe der Berufsunfähigkeitsrente
  • Versicherungs- und Leistungsdauer der BU-Rente
  • Garantie Rentensteigerung im BU-Fall
  • Versicherungsbedingungen

Grundsätzlich gilt: Je früher ein Vertragabschluss getätigt wird, desto günstiger ist die BU-Versicherung. Das Risiko einer Berufsunfähigkeit steigt mit zunehmendem Alter. Daher verlangen die Versicherer für ältere Interessenten höhere Prämien.

Einteilung in Risikogruppen
Versicherer ordnen die Antragsteller in Risikogruppen ein. Eine höhere Berufsgruppe bedeutet ein höheres BU-Risiko und führt zu einem höheren Beitrag. Je nach Anbieter wird die Einstufung in fünf oder sogar sieben Berufsgruppen vorgenommen. Nachfolgend eine beispielhafte Aufteilung:

  • 1++: äußerst geringes Risiko, z.B. Unternehmensberater, selbständiger Kinderarzt, Dipl.-Ingenieur
  • 1+: sehr geringes Risiko, z.B. BWL-Student, Rechtsanwalt, Dipl.-Volkswirt
  • 1: geringes Risiko, z.B. Hotelfachfrau, Bürokaufmann
  • 2+: normales Risiko, z.B. Graphiker, Pharmareferent
  • 2: leicht erhöhtes Risiko, z.B. Gärtnermeister, Lehrer, Elektroniker
  • 3+: erhöhtes Risiko, z.B. Rohrleitungsbauer, Kinderkrankenschwester, Elektroinstallateur
  • 3: stark erhöhtes Risiko, z.B. Bäcker, Bauarbeiter

Aktueller Beitragsvergleich

Beispielrechnungen für einen 30-jährigen Bankkaufmann, der eine BU-Rente von 1.000 Euro im Monat bis zum Endalter 65 absichern möchte: 
  • Allianz: 48,23 Euro
  • Alte Leipziger: 43.30 Euro
  • Axa: 40,01 Euro
  • Generali: 43,33 Euro
  • Gothaer: 35,40 Euro
  • HanseMerkur: 31,12 Euro
  • HDI: 40,69 Euro
  • Nürnberger: 35,95 Euro
  • Swiss Life: 38,12 Euro
  • WWK: 58,61 Euro
  • Zurich: 40,19 Euro
 

BU-Checkliste: Tipps für den Abschluss

  • Früher Abschluss: Junge und gesunde Antragsteller erhalten günstigere Konditionen und erhalten leichter einen Vertrag. Viele Gesellschaften bieten bereits BU-Verträge für Schüler, Auszubildende und Studenten an.
  • Mehrere Anträge stellen: Stellen Sie gleich bei mehreren Top-Versicherern einen Antrag. Wer gesundheitliche Probleme hat, bekommt meist nur mit Einschränkungen einen Schutz. Da die Versicherer die Risiken unterschiedlich beurteilen, gibt es bei gleichen Krankheitsbildern möglicherweise unterschiedliche Annahmeentscheidungen. Zudem werden Vorerkrankungen in einer Warndatei eingetragen.
  • Antragsfragen richtig beantworten: Die Gesundheitsfragen im Antrag sollten wahrheitsgemäß beantwortet werden. Sinnvoll ist es, den Hausarzt um die Herausgabe der Krankenakte zu bitten. Fehlen Angaben im Antrag, riskieren Sie Ihren Versicherungsschutz. 
  • Testberichte prüfen: Verschiedene Verbrauchermagazine prüfen und bewerten die BU-Tarife. Sichten Sie die aktuellen BU-Testberichte von Finanztest, Öko-Test und Focus-Money etc.
  • Dynamik vereinbaren: Durch Einschluss einer Dynamik erhöht sich der BU-Schutz um einen festen Prozentsatz - und das ohne erneute Gesundheitsprüfung. So stellen Sie sicher, dass sich die BU-Rente dem steigenden Einkommen anpasst und vor dem Wertverfall durch Inflation geschützt ist.
  • Flexible Tarife wählen: Lässt sich der Versicherungsschutz an veränderte Lebensumstände (z.B. Heirat, Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit, Immobilienfinanzierung) anpassen? Was passiert bei Arbeitslosigkeit oder Zahlungsschwierigkeiten? Gute Tarife bieten für solche Fälle Lösungen.
  • Weltweiter Schutz: Krankheiten und Unfälle, die zu einer Berufsunfähigkeit führen, können weltweit passieren. Wichtig ist, dass die Police ohne zeitliche Begrenzung leistet, z.B. auch dann wenn der Wohnsitz ins Ausland verlagert wird oder man für ein paar Jahre beruflich ins Ausland geht.

Darauf sollten Sie vor dem BU-Abschluss achten

Vor Vertragsunterzeichnung sollten Sie einen Blick in die Versicherungsbedingungen werfen. Sie entscheiden darüber, ob Sie im Ernstfall schnell an Ihr Geld kommen. Gute Tarife zeichnen sich vor allem durch folgende Merkmale aus:

Verzicht auf die abstrakte Verweisung
Der Versicherer verzichtet darauf, den Kunden auf einen anderen Beruf zu verweisen, der aufgrund der Kenntnisse und Erfahrungen noch ausgeübt werden könnte.

Prognosezeitraum
Die Berufsunfähigkeit muss für einen Zeitraum von voraussichtlich sechs Monaten vorliegen. In Altverträgen liegt der Prognosezeitraum bei ungünstigen drei Jahren.

Nachversicherungsgarantie
Bei bestimmten Ereignissen (z.B. Heirat, Geburt eines Kindes) kann die Rente ohne Gesundheitsprüfung erhöht werden.

Verzicht auf Arztanordnungsklausel
Der Versicherer verzichtet darauf, den Kunden zur Durchführung von Heilbehandlungen und Operationen zu verpflichten oder Arztbesuche anzuordnen.

Rückwirkende Zahlung
Bestimmte Erkrankungen führen nicht sofort zu einer Berufsunfähigkeit. Gute Tarife zahlen die BU-Rente bis zu drei Jahre rückwirkend.

Höhe der Berufsunfähigkeitsrente

Die Höhe der zu versichernden Rente orientiert sich am bisherigen Einkommen und den monatlichen Fixkosten. Die Kosten für Miete, Auto, Lebenshaltung, Kredite und Versicherungen laufen auch bei Krankheit weiter. Ausschlaggebend für Arbeitnehmer sowie Selbstständige, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, ist zunächst die Berechnung des Anspruchs auf gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Die Differenz zwischen dem monatlichen Nettolohn und den gesetzlichen Ansprüchen ergibt die sogenannte Versorgungslücke, welche privat abzusichern ist.

Als Faustregel empfiehlt sich die Absicherung von 70-75 Prozent des Nettoeinkommens. Zu beachten ist jedoch, dass die Rentenleistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu versteuern sind. Dabei gilt, dass BU-Renten im Rahmen der Basisrente grundsätzlich mit einem höheren Steuersatz zu versteuern als Renten aus einem selbständigen Vertrag der 3. Schicht.

Berufsunfähigkeitsversicherung Angebot

Varianten der privaten BU-Absicherung

Um das Berufsunfähigkeitsrisiko privat abzusichern, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Variante 1: Selbständige Versicherung (SBU)
Bei der selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherung wird ausschließlich das Risiko der Berufsunfähigkeit versichert. Produkte dieser Art zählen zur sogenannten 3. Schicht - Produkte, d.h. die Beiträge sind aus dem Netooeinkommen zu zahlen, während die BU-Renten nachgelagert zu versteuern sind. Der Besteuerungsanteil der Rente hängt von der Restlaufzeit ab.

Grundsätzlich werden bei der selbständigen BU-Versicherung (SBU) die Überschüsse mit dem monatlichen Beitrag verrechnet. So verringert sich der monatliche Aufwand. Auch für Schüler, Studenten und Hausfrauen/-männer gibt es einen BU-Schutz.

Männer zahlen grundsätzlich geringere Beiträge als Frauen. Zudem ist der Beitrag zur SBU für kaufmännische Brufe geringer als für körperliche Berufstätigkeiten.

Variante 2: Risikolebensversicherung mit BU-Zusatzversicherung (BUZ)
Bei der Variante 2 wird die Berufsunfähigkeitsversicherung mit einem Todesfallschutz, der Risikolebensversicherung, kombiniert. Oftmals wurde als Argument für diese Produktkombination der günstige Beitrag angeführt, der teilweise unter dem der SBU lag. Inzwischen sind jedoch die selbständigen BU-Versicherungen günstiger.

Mit der Risikolebensversicherung lassen sich die Hinterbliebenen absichern. So wird nicht nur bei Berufsunfähigkeit, sondern auch im Todesfall des Hauptverdieners eine Leistung der Versicherung fällig.

Variante 3: Private Lebens- oder Rentenversicherung mit BUZ
In dieser Variante wird der Risikoschutz mit einen Sparvorgang kombiniert. Auf diese Weise erfolgt neben der Risikoabsicherung auch die private Altersvorsorge. Die BU-Versicherung wird als Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) eingeschlossen.

Der Sparanteil für die Rentenversicherung ergibt sich aus dem eingezahlten Beitrag abzüglich der Kostenbestandteile für den Versicherungsschutz  und Verwaltung und Vertrieb.

Bei der BUZ ist zu beachten, dass der monatliche Beitrag deutlich höher als bei der SBU ist. Gerät man z.B. infolge Arbeitslosigkeit in finanzielle Probleme und möchte den Vertrag beitragsfrei stellen, so steht man in diesem Fall ohne BU-Schutz da. Lässt man die Verträge separat laufen, kann der Sparvertrag beitragsfrei gestellt werden. Der BU-Vertrag läuft dann ganz normal weiter.

Bie der BUZ ist die alleinige Weiterführung des BU-Schutzes hingegen nicht möglich. Auf der anderen Seite kann in den Sparvertrag eine beitragsfreie Fortführung des Vertrages bei Berufsunfähigkeit integriert werden. So ist sichergestellt, dass im BU-Fall das Versorgungsziel im Rentenalter auf jeden Fall erreicht wird. Gerade für Berufsanfäger ist dies eine attraktive Möglichkeit, Altersvorsorge und BU-Versicherung zu kombinieren.

Auch bei dieser Variante sollte unbedingt auf leistungsstarke BU-Bedingungen achten. Während bei der Risikolebensversicherung die Bedingungen der Anbieter nahezu identisch sind, gibt es bei den BU-Bedingungen gravierende Unterschiede. 

Variante 4: Basisrente mit BU-Zusatzversicherung
Auch bei diesem Produkt wird ein Sparvorgang mit der BU-Absicherung kombiniert. Im Unterschied zur Variante 3 können die Beiträge als Sonderausgaben steuermindernd angesetzt werden. Dazu ist allerdings Voraussetzung, dass der BU-Anteil am Gesamtbeitrag der Basisrente maximal 50 Prozent ausmacht.

Zu beachten ist, dass im BU-Fall die Renten im Rahmen der sogenannten 1. Schicht höher versteuert werden müssen als bei der SBU. Insofern sollte man gleich bei Antragstellung eine höhere BU-Rente versichern, um das Versogungsziel nicht zu gefährden.

Neben der BU-Absicherung werden die restlichen Beitragsbestandteile dazu verwendet, eine lebenslange Rente ab dem 60. Lebensjahr zu zahlen.

Variante 5: Betriebliche Direktversicherung mit BUZ
Variante 6: Einjährig kalkulierte BUZ
Variante 7: BU-Versicherung gegen Einmalbeitrag

Berufsunfähigkeitsversicherung Angebot

Häufige Fragen (FAQ):

Beeinflussen Risikosportarten die Prämie?

Bestimmte Freizeitsportarten bergen ein hohes Unfall- und Verletzungsrisiko. Deren Ausübung hat auch einen Einfluss auf das individuelle BU Risiko. Sportarten wie Klettern, Motorsport, Reiten oder Tauchen führen bei manchen Anbietern zu einem Beitragszuschlag. Gegen Zahlung einer höheren Prämie ist das Hobby mitversichert.

Bis zu welchem Alter sollte die Berufsunfähigkeit versichert werden?

Dies hängt davon ab, wann die Zahlungen aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Rente einsetzen. Für Erwerbstätige, die ab 1964 geboren sind, sollte die Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr gewählt werden. Das Endalter in der BU Versicherung kann frei gewählt werden. Einzige Ausnahme: Für bestimmte Berufe gelten festgelegte Versicherungsdauern.

Ist eine Ablehnung problematisch?

Wurde ein BU-Antrag abgelehnt, wird dies in einer Hinweis- und Informationsdatei (HIS) der Versicherer gespeichert. Es wird dann schwierig, den Schutz bei einem anderen Anbieter zu erhalten. Bei Vorerkrankungen sollten daher gleichzeitig Anträge bei mehreren Versicherern gestellt werden.

Unfallversicherung oder Berufsunfähigkeitsversicherung?

Oftmals wird die Frage aufgeworfen, ob man anstelle einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht besser die Unfallversicherung abschließen sollte. Schließlich sind die Beiträge doch deutlich geringer. Eine private Unfallversicherung ist jedoch mit BU-Versicherung nicht vergleichbar - das eine Produkt kann das andere nicht ersetzen.

Die BU-Versicherung zahlt sowohl bei einem Unfall als auch Krankheit – aber nur wenn eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent vorliegt. Die Unfallversicherung zahlt im Falle eines Unfalls. Wenn kein Unfall im Sinne der versicherungsbedingungen vorliegt, ist die Versicherung leistungsfrei. Der Schutz tritt allerdings schon bei kleinsten dauerhaften Beeinträchtigungen in Kraft. Ob der Verunglückte seinen Beruf ausüben kann oder nicht, spielt keine Rolle. Die private Unfallversicherung bietet dabei auch zu Hause oder in der Freizeit Schutz, wenn die gesetzliche Unfallversicherung nicht mehr greift.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist ein Muss für jeden Beschäftigten und stellt eine Basisabsicherung dar, während die Unfallversicherung den nicht ausreichenden gesetzlichen Schutz ergänzt. Die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung sind deutlich höher als für eine private Unfallversicherung, weil der Versicherungsfall häufiger eintritt. Die BU-Versicherung ersetzt das Arbeitseinkommen und ist somit eine Versicherung gegen das Risiko, kein Arbeitseinkommen mehr erzielen zu können. Ber der BU-Versicherung ist für die Zahlung der versicherten Rente entscheidend, dass der bisherige Beruf zu weniger als 50 Prozent ausgeübt werden kann. Zur Auszahlung kommen nicht wie bei der Unfallversicherung Kapitalleistungen, sondern ausschließlich Rentenzahlungen.

Die BU-Rente wird nicht lebenslang, sondern nur bis zu einem versicherten Endalter erbracht - im Idealfall knüpfen daran die Altersrenten an. Vorsicht ist bei "alten" BU-Verträgen angebracht. Denn in Verträgen vor 2001 haben die Versicherer die Möglichkeit der "abstrakten Verweisung". Versicherte gelten in diesem Fall nicht als berufsunfähig, wenn sie noch eine vergleichbare Tätigkeit ausüben könnten.

Wann ist man berufsunfähig?

In privaten Verträgen ist die Definition des Berufsunfähigkeitsbegriffs in den Versicherungsbedingungen enthalten. Eine allgemeingültige Begriffsbestimmung existiert für private Berufsunfähigkeitsverträge nicht. Typische Formulierungen sind:

  • "Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztliche nachzuweisen sind, voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgestaltet war, auszuüben."
  • "Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich für die Dauer von mindestens drei Jahren (Prognosezeitraum) außer Stande ist, seinen Beruf oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die er auf Grund seiner Ausbildung und Erfahrung ausüben kann und die seiner bisherigen Lebensstellung entspricht (Verweisung)."

Wann sollte man die BU-Versicherung abschließen?

Grundsätzlich gilt bei der Berufsunfähigkeitsversicherung: Je früher man den Vertrag abschließt, desto günstiger ist der Beitrag. Denn das Eintrittsalter ist ein wesentliches Kriterium für die Höhe der Prämie. Ältere Antragsteller zahlen mehr für die BU-Versicherung als jüngere. Zudem bestehet die Gefahr von gesundheitlichen Beschwerden oder Erkrankungen, je älter man ist. Der Versicherer darf in solchen Fällen einen höheren Beitrag verlangen oder den Antrag sogar ablehnen. Am besten ist es daher, wenn eine BU-Versicherung während der Ausbildung, des Studiums oder sogar bereits während der Schulzeit abgeschlossen wird.

Wann zahlt die BU Versicherung eine Rente?

Eine Voraussetzung ist, dass die bisherige Tätigkeit zu weniger als der Hälfte ausgeübt werden kann. Zudem muss die Berufsunfähigkeit für mindestens sechs Monate bestehen. Die Auszahlung der BU Rente hängt von den Regelungen in den Versicherungsbedingungen ab. Einige Gesellschaften zahlen ab Meldung des BU Falles, andere rückwirkend ab Eintritt der BU (bis zu drei Jahre). Wir empfehlen daher einen sorgfältigen Vergleich der Konditionen.

Warum ist der Gesundheitszustand wichtig?

Der Versicherer prüft bei jedem Antragsteller das individuelle Risiko, berufsunfähig zu werden. Vorerkrankungen wie z.B. Asthma oder Allergien erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Versicherer zahlen muss. Daher werden Vorerkrankungen und Beschwerden im Rahmen einer Gesundheitsprüfung abgefragt. Gesundheitliche Beeinträchtigungen führen meist zu einem Risikozuschlag oder einem Leistungsausschluss. In besonders schweren Fällen wird der Antrag abgelehnt.

Warum ist die BU-Versicherung so wichtig?

Eine BU-Versicherung zählt neben der privaten Haftpflicht und der Krankenversicherung zu den Verträgen, die jeder abschließen sollte. Wer nicht mehr arbeiten kann, verliert sein Einkommen. Vom gesetzlichen Rententräger wird nur ein Bruchteil des Einkommensausfalls ersetzt. Zudem darf die Rentenkasse die Zahlung verweigern, wenn eine andere Tätigkeit ausgeübt werden könnte - ohne Rücksicht auf den sozialen Status. Die Folge: Ohne Berufsunfähigkeitsversicherung droht ein existenzielles finanzielles Risiko.

Vom Zeitpunkt der Berufsunfähigkeit werden zudem keine Beiträge mehr in die Rentenkasse eingezahlt. Damit verringern sich die späteren Rentenansprüche im Alter. Es droht der Gang zum Sozialamt, wenn keine ausreichende private Absicherung vorhanden ist.

Warum sollte man BU-Versicherungen vergleichen?

Die Auswahl einer leistungsstarken und preisgünstigen BU-Versicherung ist komplex. Zahlreiche Versicherungsbedingungen sollten vor dem Abschluss verglichen werden, damit sie sich nicht als "Fallstrick" herausstellen. In der Regel stellen vor allem besonders günstige BU-Tarife eine "Gefahr" dar, weil sie empfindliche Lücken enthalten. So sollten Sie keinen Vertrag abschließen, der die Verweisungsklausel enthält. Mit einer solchen Klausel muss der Versicherer nicht zahlen, wenn Sie in einem anderen Beruf arbeiten könnten, der Ihrem Status entspricht. Es spielt dabei keine Rolle, ob Sie einen derartigen Job finden oder nicht.

Weitere Bedingungen, die einen "guten" BU-Tarif ausmachen, sind der Verzicht auf die Arztanordnungsklausel oder der Verzicht auf das Rücktrittsrecht nach fünf Jahren.

Was bedeuten die Unisex-Tarife für die BU?

Bereits seit 2007 gelten in der EU die Vorgaben für geschlechtsneutrale Tarife bei Personenversicherungen. Bisher galt davon jedoch eine Ausnahmeregelung: Konnte ein Land nachweisen, dass die versicherungsmathematische Kalkulation für die unterschiedlichen Beiträge von Frauen und Männern begründet und aktuell sind, durfte die Prämiendifferenz bestehen bleiben. Im Februar 2010 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass die Ausnahmeregel nicht mehr gilt (Az.: C-236/09). Spätestens für Versicherungsverträge, die nach dem 21. Dezember 2012 abgeschlossen werden, müssen die Unisex-Tarife gelten. Bereits bestehende Verträge sind davon nicht betroffen.

BU-Versicherung: Auswirkungen der Unisex-Tarife

Bislang wurde der Beitrag in der Berufsunfähigkeitsversicherung an Hand folgender Kriterien ermittelt:

  • Alter,
  • Beruf,
  • Geschlecht,
  • Versicherungsdauer,
  • Versicherte BU-Rente.

Das Geschlechterrisiko wurde an Hand statistischer Daten in die Tarife eingepflegt. Da Frauen nicht nur eine höhere Lebenserwartung haben, sondern auch ein höheres Arbeitsunfähigkeitsrisiko aufweisen, fiel der Beitrag in der BU-Versicherung bei sonst gleichen Bedingungen für weibliche Versicherte höher als für Männer aus. Unisex-Tarife in der Berufsunfähigkeitsversicherung stellen das bisherige Kalkulationsprinzip auf den Kopf.

Durch die geschlechtsneutralen Tarife soll die unzulässige Diskriminierung von Frauen in der BU-Versicherung der Vergangenheit angehören. Somit zahlen Frauen und Männer für die Absicherung der Arbeitskraft bei sonst gleichen Bedingungen künftig einen identischen Beitrag. Bisher liegen die Prämienunterschiede bei bis zu 39 Prozent. Männer müssen daher für einen BU-Neuabschluss nach dem 21.12.2012 mehr zahlen, für Frauen ist der BU-Beitrag etwas geringer.

Unisex-Tarife: Kritik aus der Branche

In der Versicherungsbranche betrachtet man die neuen Vorschriften mit Sorge. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht das zentrale Prinzip von Beitrag und Leistung in Gefahr. Künftig könnten die Versicherer die Kunden nicht mehr in gleichartige Risikogruppen einteilen, um die Tarife und Leistungen nach dem individuellen Risiko zu berechnen. Klar ist, dass die Unisex-Tarife in der Berufsunfähigkeitsversicherung zu deutlich höheren Prämien für Männer geführt haben.

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV) hält die Einwände des GDV für vorgeschoben. Denn die Schadenaufwendungen würden durch die Unisex-Tarife eben nicht steigen. Vielmehr würden die Kosten für Leistungsfälle anders als bisher auf die Versicherten verteilt. In Summe erwartet der BdV dadurch keine höheren Versicherungsprämien.

Was ist eine Dread-Disease-Versicherung?

Der Begriff Dread Disease stammt aus dem angelsächsischen Sprachraum und bedeutet wörtlich so viel wie "gefürchtete Krankheit". Eine Dread-Disease-Versicherung zahlt eine einmalige Kapitalleistung an den Versicherten aus, wenn eine in den Versicherungsbedingungen aufgeführte Erkrankung eingetreten ist. Dazu zählen z.B. folgende Krankheitsbilder: Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall oder der Verlust der Hör- und Sehfähigkeit. Aber auch Alterskrankheiten wie Alzheimer, Demenz oder Parkinson können zum Versicherungsumfang zählen. Dread Disease-Policen leisten jedoch nicht bei psychischen Erkrankungen. 

Wird eine der in den Versicherungsbedingungen aufgeführte schwere Erkrankung ärztlich nachgewiesen, wird die vereinbarte Versicherungssumme ausgezahlt und der Vertrag erlischt. Im Unterschied zur BU-Versicherung wird die Versicherungsleistung nicht als monatliche Rente ausgezahlt. Die Leistungen gibt es auch dann, wenn die Krankheit nicht zur Berufsunfähigkeit führt. Es kommt also lediglich auf die Diagnose der Erkrankung an.

Diagnostiziert ein Arzt eine in den Vertragsbedingungen der Dread-Disease-Versicherung aufgeführte schwere Krankheit, wird die vertraglich vereinbarte Versicherungssumme an den Betroffenen ausgeschüttet. Wer darüber hinaus für seine Familie einen Hinterbliebenenschutz im Ernstfall vereinbaren will, kann die Police durch eine Todesfallsumme erweitern.

Die Dread-Disease-Versicherung eignet sich als finanzieller Schutz im Ernstfall einer schweren Erkrankung für den privaten Bereich ebenso wie auch zur allgemeinen Existenzsicherung von Unternehmen. Der finanzielle Spielraum durch die Versicherungssumme kann bei Betrieben die Chance sicher stellen, den Handlungsspielraum zu erweitern, wenn der Firmeninhaber schwer erkrankt. In jedem Fall ist die Höhe der Versicherungssumme von besonderer Bedeutung, denn tritt eine Erkrankung ein, soll das auszuzahlende Kapital ausreichen, die Existenz abzusichern und zusätzliche Kosten auffangen, die mit einer medizinischen Zusatzversorgung, Umbauten und anderen Kosten verbunden sind.

Der wichtige Schutz durch die Dread-Disease-Versicherung kann auch eine wirkungsvolle Alternative für diejenigen sein, die aus unterschiedlichen Gründen keinen anderen Versicherungsschutz mehr bekommen. Das fortgeschrittene Alter, Vorerkrankungen oder besondere berufliche Risiken können bei anderen Versicherungsvarianten schnell zu Ausschlüssen führen. Wer nicht ohne einen Versicherungsschutz für den Ernstfall bleiben will, findet meist bei der Versicherung gegen schwere Erkrankungen einen ausreichenden Schutz.

Vor Vertragsabschluss gehören die Vertragbedingungen auf den Prüfstand, denn die Angebote variieren von Versicherung zu Versicherung stark. Nicht nur die vertraglich definierten schweren Erkrankungen unterscheiden sich, sondern auch die Form der Absicherung. Möglich sind eine reine Absicherung des Risikos und eine Form der Risikoabsicherung, die mit einer Überschussbeteiligung kombiniert ist.

 

Was passiert bei Berufswechsel?

Bei leistungsstarken BU-Tarifen nichts. Teilweise ist in den Versicherungsbedingungen die Regelung enthalten, dass der Versicherer über einen Berufswechsel informiert werden muss. Ein höheres Risiko führt dann zu einer höheren Prämie. In der Regel ist stets der zuletzt ausgeübte Beruf versichert.

Was passiert, wenn ich nicht berufsunfähig werde?

Bei selbständigen Berufsunfähigkeitsversicherungen sind in der Regel als reine Risikoversicherung ausgestaltet. Bei Ablauf des Vertrages steht kein Guthaben zur Auszahlung zur Verfügung. Je nach Tarif kann die Ansammlung von anfallenden Überschüssen erfolgen. In diesem Fall wird zum Vertragsende das angesparte Kapital ausgezahlt. Allerdings besteht auf die Auszahlung kein Anspruch auf Garantie.

Welche Krankheiten führen zu Berufsunfähigkeit?

Es gibt zahlreiche Statistiken, welche Krankheiten zu Berufsunfähigkeit führen. In den meisten Fällen führen Erkrankungen des Rückens (Wirbelsäule, Knochenerkrankungen), Gemüts- und Nervenerkrankungen sowie Herz- und Kreislauferkrankungen zum Arbeitausfall. Maßgegend ist stets, dass der bisherige Arbeitsablauf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr erbracht werden kann. Die Krankheit muss zu einem dauerhaften Rückgang - also für mindestens 6 Monate - der Arbeitskraft führen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt unabahängig von der Art der Erkrankung den vereinbarten Betrag. Das heißt, egal, ob der Arbeitsausfall durch einen Unfall, eine Erkrankung oder durch einen schleichenden Krankheitsprozess hervorgerufen wurde, die Versicherung leistet.