Ärzte und Krankenkassen streiten um Milliarden
Zwischen Krankenkassen und Ärzten ist ein Kampf um die Vergütung entbrannt. Hintergrund der Auseinandersetzung sind Forderungen seitens der Ärzte nach einer höheren Vergütung sowie eine vom Spitzenverband der GKV in Auftrag gegebene Studie.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fordert für Ihre Mitglieder eine Steigerung der Vergütung um insgesamt 3,5 Milliarden Euro. Diese Forderungen wies wiederum der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung als völlig überhöht zurück. Im Gegenteil, der stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Johann-Magnus von Stackelber forderte dagegen sogar eine Absenkung des Orientierungswerts, der ausschlaggebend für die Höhe der Bezahlung ist.
Hintergrund für diese Forderung ist eine vom Spitzenverband beim Schweizer Prognos-Institut in Auftrag gegebenes Gutachten. Dieses kommt zu dem Ergebnis, dass die Einnahmen der Ärzte in Deutschland seit dem Jahr 2008 deutlich stärker gestiegen sind als die Kosten für die Arztpraxen. Die Studie geht von Mehreinnahmen von 3,2 Milliarden Euro aus. Rechne man den Anstieg der Kosten dagegen, käme man immer noch auf eine Überschuss von insgesamt 2,2 Milliarden Euro.
Dabei, so die Studie weiter, stieg der durchschnittliche Überschuss eines Arztes aufgrund der Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten von 105.000 Euro (2007) um fast 30 Prozent auf 134.000 Euro (2011). Rechne man die Einnahmen durch die Behandlung von privat versicherten Patienten dazu, käme man sogar auf einen Wert von 165.000 Euro.
Aufgrund dieses Ergebnisses will der Spitzenverband in den anstehenden Verhandlungen um die jährliche Anpassung der Preiskomponente in der vertragsärztlichen Versorgung eine Absenkung des sog. Orientierungswertes von derzeit 3,5 auf 3,25 Cent für das kommende Jahr fordern.
„Die Vergütung der Vertragsärzte muss sich künftig wieder ihrem Aufwand anpassen. Sinkende Kosten je Leistung, eine bessere Auslastung der Praxen und andere Wirtschaftlichkeitsreserven in der vertragsärztlichen Versorgung gehören genauso auf den Verhandlungstisch wie Preise und Mengen“, fordert Stackelberg daher. „Forderungen der Ärzteschaft nach Honorarzuwächsen von deutlich über drei Milliarden Euro für 2013 sind völlig überzogen.“
Der Vorstandsvoristzende der KBV, Dr. Andreas Köhler hielt dagegen, dass die nun geforderten 3,5 Milliarden Euro zwingend notwendig seien, um die Inflation und die gestiegenen Betriebskosten seit 2008 auszugleichen. Er verweist dabei auf den "Jahresbericht 2010 des Zi-Praxis-Panels" des Zentralinstituts für kassenärztliche Versorgung in Deutschland. Diese Studie zur wirtschaftlichen Lage der Arztpraxen kommt zu dem Ergebnis, dass diese im Jahr durchschnittlich 92.000 Euro Überschuss erwirtschaften. Als angemessener Praxisüberschuss gilt aber laut Honorarordnung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten aber ein Betrag von 105.572 Euro. „Es fehlen damit 13 Prozent an der Vergütung“, erläuterte Köhler.
Zudem wies er darauf hin, dass durch gerade in ländlichen Gebieten durch die Forderungen der GKV die Versorgung gefährdet sei. „Patienten müssen immer weitere Wege zu ihrem nächsten Arzt zurücklegen. Für junge Mediziner sind solche Forderungen der Kassen ein verheerendes Signal, womit sie umso mehr von einer Niederlassung in ländlichen Regionen zurückschrecken“, so Köhler.
Die Verhandlungen zwischen den beiden Verbänden sollen Ende August in die entscheidende Phase gehen.
