SPD will IGeL-Geschäft beschränken

11.05.12
Spritze, 100 Euro-Schein

Mit den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) verdienen Ärzte Milliarden. Viele dieser Zusatzuntersuchungen entbehren jedoch jeder Grundlage. Da Patienten nicht „ausgeplündert“ werden sollen, plant die SPD eine Beschränkung des Geschäftes mit den oft nutzlosen und teuren Checks, die CDU fordert schriftliche Vereinbarungen zwischen Arzt und Patient.

Mittlerweile existieren von Seiten der Ärzte unzählige sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Diese Angebote muss der Patient aus eigener Tasche zahlen, denn es handelt sich bei diesen Untersuchungen nicht um Leistungen der Gesetzlichen Krankenkassen. Die häufigsten in Anspruch genommenen Leistungen sind das Glaukom-Screening auf Grünen Star und der vaginale Ultraschall bezüglich Eierstock- und Gebärmutterkrebs. Der Umsatz mit den umstrittenen Angeboten stieg seit dem Jahr 2005 um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro jährlich. 

Da Patienten nicht „ausgeplündert“ werden sollen, plant die SPD eine Beschränkung des Geschäftes mit den oft nutzlosen und teuren Checks. Die oft unnötigen und nutzlosen Leistungen der Ärzte sollen mit einer 24-stündigen Einwilligungssperrfrist belegt werden. Das bedeutet, wenn ein Patient an einem bestimmten Tag untersucht wird, darf er sich nicht am gleichen Tag einer IGeL unterziehen. Mit dieser Sperrfrist soll gewährleistet werden, dass sich der Patient nicht überrumpelt fühlt und ausreichend Zeit zum Nachdenken über die Notwendigkeit dieses Checks besitzt.

Manche Patienten nehmen die oft überflüssigen Leistungen an, um den Arzt nicht zu verärgern und um Gewissheit zu haben, alles für die Gesundheit getan zu haben. Als oberster Grundsatz steht jedoch, dass keine der IGeL so lebensnotwendig sei, als dass sie prompt erbracht werden müsse. Das medizinisch Notwendige wird nach wie vor von den Krankenkassen erstattet. Experten raten, sich gründlich zu informieren, bevor eine IGeL in Anspruch genommen wird. Mittlerweile werden Mitarbeiter von Arztpraxen geschult, um IGeL gewinnbringend zu veräußern. 

Das Thema IGeL wurde nun dem Gesundheitsausschuss übergeben und soll im Juni beraten werden. Die Pläne der SPD gehen der Bundesärztekammer, die grundsätzlich Änderungen bei dem umstrittenen Thema befürwortet, jedoch zu weit. Der Vorsitzende, Frank Ulrich Montgomery, monierte, dass die Einwilligungssperrfrist zu erhöhten Wartezeiten führe. Eine Vereinbarung, dass die IGeL nicht im Zusammenhang mit der von den gesetzlichen Kassen übernommenen Untersuchung stehe, reiche völlig aus. 

Experten schätzen, dass es mittlerweile zwischen 300 und 350 zusätzlicher Leistungen am Markt gäbe. Besonders die Ultraschalluntersuchungen an Eierstöcken und Gebärmutter bezüglich Krebs, bei beschwerdefreien Frauen, sind umstritten. Auch das Glaukom-Screening wird von Experten unterschiedlich beurteilt. Laut Angabe von Fachleuten stehen zudem die Ultraschalluntersuchungen von Schwangeren am Pranger.

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