Pflege-Riester ein "Rohrkrepierer"?

08.06.12

Die Einführung einer privaten Pflegezusatzversicherung ("Pflege-Riester") mit staatlicher Förderung könnte sich als Ladenhüter entpuppen. Durch die starren staatlichen Vorgaben dürften die Policen ab 2013 deutlich teurer als bisher werden. Damit werden nur wenige finanziell in der Lage sein, einen Zusatzvertrag abzuschließen.

Die private Vorsorge boomt, zumindest bei den privaten Riester- und Rürup-Verträgen sowie der Betriebsrente. Nun soll die Kapitaldeckung ab 2013 auch in der Pflegeversicherung eingeführt werden. Dazu hat die Bundesregierung den sogenannten Pflege-Riester auf den Weg gebracht. Ab 2013 soll jeder Bürger 5 Euro pro Monat vom Staat erhalten, wenn eine Pflegezusatzversicherung mit einem mindestens gleich hohen Beitrag abgeschlossen wird. Als Mindesteigenbeitrag hat das Ministerium 10 Euro pro Monat vorgesehen. 

Starre Bedingungen

Was sich auf den ersten Blick vernünftig anhört, stellt sich bei genauerer Betrachtungsweise jedoch als "Rohrkrepierer" heraus. Denn das Konzept der Bundesregierung sieht vor, dass die Versicherer keine kranken oder alten Menschen ablehnen dürfen. Jeder Bürger soll einen Pflegeschutz erhalten, unabhängig von den Vorerkrankungen und dem Pflegefallrisiko. Auch Risikozuschläge, also Beitragsaufschläge bei schweren Erkrankungen, sind per Gesetz ausgeschlossen. Zunächst erscheint auch diese Regelung aus sozialen Gesichtspunkten vorteilhaft.

Doch die privaten Versicherer können den Kundenbestand nicht mehr vorselektieren. Die bisherige Beitragskalkulation wird damit über den Haufen geworfen. Bislang sind die Beiträge in der privaten Pflegeversicherung um 20 bis 30 Prozent geringer als in der gesetzlichen Pflegeabsicherung. Dies liegt u.a. auch an der Risikoselektion. Da dies in den Pflege-Riester-Verträgen nicht mehr vorgesehen ist, müssen die Prämien deutlich angehoben werden, um einen gleich hohen Schutz zu erhalten. Damit dürfte es aber für weitaus mehr Bevölkerungsschichten nicht mehr möglich sein, einen Zusatzvertrag abzuschließen.

Auch die privaten Versicherer rechnen mit deutlichen Prämienaufschlägen bei den geförderten Policen im Vergleich zu den ungeförderten Verträgen. Zugleich erfordere die Verwaltung von staatlich zertifizierten Verträgen mehr Personal, was sich negativ auf die Kosten der Pflege-Riester-Verträge niederschlage. 

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