Spahn und Lauterbach diskutieren PKV-Reform

Der Deutsche Ärztetag ist traditionell der geeignete Rahmen, um über die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems zu diskutieren. Die 115. Veranstaltung dieser Art nutzten die Gesundheitspolitiker Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) für ihre Thesen. Einig sind sich beide, dass in der privaten Krankenversicherung (PKV) Reformen erforderlich sind.
Die Zukunft des deutschen Gesundheitswesens war eines der zentralen Themen auf dem 115. Deutschen Ärztetag in Nürnberg. Mit den beiden Gesundheitspolitikern Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) standen sich zwei Vertreter gegenüber, die ein gegensätzliches Modell vertreten. Beide Politiker sind darin einig, dass weitere Reformen unerlässlich sind, um die Krankenversicherung zukunftsfest zu gestalten.
Spahn sprach sich für eine Kapitalrücklage in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aus, um dem Problem des demographischen Wandels zu begegnen. Dies werde in der PKV bereits vollzogen. In der Tat haben die privaten Krankenversicherer eine Rücklage von insgesamt 170 Milliarden Euro gebildet. In der GKV werden die Kosten aus den laufenden Beitragseinnahmen bezahlt, ohne eine Zukunftsvorsorge zu bilden. Gleichzeitig warnte Spahn davon, eine Neiddebatte gegenüber den Privatversicherten zu führen. Viele Beamte und Selbständige, die privat versichert sind, zählten nicht zu den Besserverdienern.
Lauterbach sprach sein für das Modell der Bürgerversicherung aus. Im Falle eines Wahlsiegs bei den nächsten Bundestagswahlen beabsichtigt die SPD den Umbau der Krankenversicherung. Künftig sollten alle Bürger in ein Versorgungssystem einzahlen. Dazu sollten sämtliche Einkunftsarten berücksichtigt werden. Die Beitragsbemessungsgrenze soll nach den SPD-Vorgaben stark angehoben werden, wodurch Verdiener zwischen 45.800 und 63.800 Euro deutlich mehr für die Krankenversicherung zahlen müssten.
Zukunft der PKV
Die Zukunft der privaten Krankenversicherung könne nur mit Reformen gesichert werden, so Spahn. Dazu müsse das Vergütungssystem für Vermittler angepasst werden. So häufig verdienten Vermittler an einem PKV-Wechsel, ohne dass der Kunde dabei eine bessere Versorgung erhalte. Vor allem die sogenannten Billigtarife sind dem Unionspolitiker ein Dorn im Auge. Die Leistungen liegen teilweise unterhalb des GKV-Niveaus. Zudem müssten Kunden hohe Beitragssteigerungen hinnehmen.
Lauterbach möchte den Privatversicherten ein Wahlrecht einräumen, ob sie Mitglied der Bürgerversicherung werden wollen oder weiterhin in der PKV versichert bleiben. Allerdings seien Reformen sowohl in der GKV als auch in der PKV notwendig. Andernfalls seien die Leistungen schon in absehbarer zeit nicht mehr zu finanzieren.
